Rekordumsätze mit Fotografie

9. November 2005, 00:27
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Das Jahr 2005 scheint absatzmäßig international zum Jahr der Fotografie zu avancieren

Weniger im direkten Vergleich mit anderen Sparten, als an den Umsatzzuwächsen und Rekordzuschlägen für das "junge" Medium gemessen.


New York - Die jüngste, in New York zusammengeklopfte Bilanz liest sich beachtlich. Sieben von Christie's, Sotheby's und Phillips Mitte Oktober abgehaltene Fotoauktionen schlugen sich mit fast 30 Millionen Dollar zu Buche. In Deutschland bilanzierte Van Ham (Ort) am 28. 10. bei knapp 355.000 Euro, Lempertz (Köln) einen Tag später mit einem nicht zur Veröffentlichung gelangenden Umsatzbetrag. Villa Grisebach breitet seine Offerte am 24. November auf Berliner Territorium aus - in Österreich terminisiert das Dorotheum die nächste reine Fotoauktion erst für das Frühjahr 2006.

Seit Oktober 2001 hat sich vor allem der Preisindex für Fotografie der Klassischen Moderne mit einer 88-prozentigen Steigerung hervorragend entwickelt. Mit drei Sitzungen und einer Absatzquote von 85 Prozent aus einer 409 Einzelposten umfassenden Auswahl beschloss Christie's den Spartenreigen mit einem Umsatz von 14,5 Millionen Dollar.

Dazu trugen zwei Sonderauktionen bei: Robert Mapplethorpe Flowers goutierte das Publikum wohl gerade im Anschluss an die große Personale im New Yorker Guggenheim-Museum. 90 Prozent des Angebotes verließen den Saal und Mapplethorpes 1988 aufgenommene Mohnblume (Poppy) wechselte für den Rekordzuschlag von 251.000 Dollar in amerikanischen Privatbesitz.

In der regulären Photographs-Sitzung deponierte ein europäischer Sammler für Mapplethorpes American Flag von 1987 mit 352.000 Dollar einen weiteren Rekord, der nur hinter dem siebenstelligen Hammerpreis für ein Dokument amerikanischer Kulturgeschichte blieb: 1907 hatte Edward S. Curtis sein ethnografisches Mammutprojekt The North American Indian begonnen und 1930 ein 20-bändiges Kompendium mit insgesamt 1500 Aufnahmen veröffentlicht. Lediglich 272 Sets wurden tatsächlich gedruckt, eines dieser kompletten Werke erzielte, entgegen der Taxe von 400.000 bis 600.000, sensationelle 1,4 Millionen Dollar.

Nicht weniger als vier Rekordzuschläge und mit 7,15 Millionen Dollar nahezu das Doppelte der Erwartungen bescherte Christie's die Elfering Collection, die Sammlung des gleichnamigen deutschen Unternehmers. Das Toplos des Abends war Richard Avedons psychedelische Porträtserie der Beatles, 1967 für Look aufgenommen, etablierte mit 464.000 Dollar einen neuen Weltrekordpreis für den Künstler.

Abseits der reinen Fotokunst verteilte Sotheby's am 14. Oktober 143 Objekte aus dem Besitz Avedons, die zu fast 99 Prozent Absatz fanden, wobei eine verstellbare Staffelei aus der Zeit um 1880-1900 ein Bietergerangel entfachte, das erst beim Fünffachen der Taxe mit 28.800 Dollar zugunsten eines Saalbieters entschieden werden konnte.

Die in drei Sitzungen und zwei Auktionen bei Sotheby's versteigerte Lichtbildkunst präsentierte sich mit einem Gesamtumsatz von 10,3 Millionen Dollar nicht minder lukrativ. Am 10. Oktober standen Teile der Sammlung von Joseph und Laverne Schieszler im Mittelpunkt, die mit einem Umsatz von 4,74 Mio. Dollar und dem höchsten jemals für eine Fotografie des 20. Jahrhunderts erteilten Zuschlag bilanzierte. Edward Westons Aktstudie von Tina Modotti (The Breast, 1923) wechselte für 822.400 Dollar in die Pace-MacGill Gallery, ein Rekordergebnis, das sich Weston anderntags mit Dorothea Lange teilten musste, als Pace-MacGill das gleiche Budget für die 1933 entstandene White Angel Breadline deponierte. Deutlich günstiger präsentieren sich insofern Arbeiten zeitgenössischer Protagonisten. Bei Phillips brachten am 6. Oktober 268 Lots 4,36 Mio. Dollar ein. Den höchsten Zuschlag erteilte man bei etwas mehr als 290.000 Dollar für Andreas Gurskys EM, Arena I (2000) gefolgt von 180.000 für Nicholas Nixons 30 Prints umfassende Serie The Brown Sisters.

In Deutschland hinterlegte das Publikum ausschließlich fünfstellige Beträge: netto 23.000 € für Klaus Rinkes 1971/72 entstandene zweiteilige Arbeit Pacific I und II, San Francisco bei Lempertz oder 19.000 Euro für Thomas Ruffs nude c 01 von 1999 bei van Ham. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.11.2005)

Von
Olga Kronsteiner
  • Richard Avedons psychedelische Farbporträts der Beatles (1967) waren einem amerikanischen Sammler bei Christie's 464.000 Dollar wert.
    foto: christie's

    Richard Avedons psychedelische Farbporträts der Beatles (1967) waren einem amerikanischen Sammler bei Christie's 464.000 Dollar wert.

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