Gegen den Geschlechterzwang

4. November 2005, 12:15
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Transgenderpersonen aus ganz Europa tagen im Wiener Rathaus

Wien - Schwierig sei vor allem der Beginn einer Geschlechtsumwandlung, erzählt Eva Fels, Obfrau des heimischen Transgendervereins transx.at. Etwa, wenn ein Mann, der sich nur als Frau akzeptieren kann, beginnt, weibliche Kleidung zu tragen - und damit auf das Befremden seiner ArbeitskollegInnen stößt. Oder wenn eine Frau, etwa durch Hormongaben, mehr und mehr zum Mann wird.

"Dann", so Fels, "ist gesetzlicher Druck das Letzte, was er oder sie braucht". Vor allem keinen Druck in Richtung geschlechtsverändernder Operation, wie ihn das Recht derzeit ausübe: In den meisten EU-Staaten seien nur umoperierte Transgenderpersonen berechtigt, vor den Behörden ihr Geschlecht zu wechseln.

Diesen mühevollen Weg beschreiten in Österreich jährlich rund 60 Menschen. Für Fels ist er Ausdruck einer "rückständigen Körperpolitik", über die sie von Donnerstag bis Sonntag mit 150 weiteren Betroffenen beim Gründungskongress einer gesamteuropäischen Transgender-Vernetzung konferieren will.

Prominentes Ambiente dieser bisher größten einschlägigen Veranstaltung ist das Wiener Rathaus. Die Bundeshauptstadt sei "sehr froh", hier Impulsgeberin zu sein, betont Wolfgang Wilhelm von der mitveranstaltenden Wiener Antidiskriminierungsstelle. Mehr als Körperpolitik ist Wilhelm jedoch die "Bewältigung von Alltagssorgen" ein Anliegen. Etwa mittels Klagen nach dem Gleichbehandlungsgesetz "wenn eine Transgenderperson aus Diskriminierungsgründen ihren Job verliert".

Aber diese Perspektive geht Fels nicht weit genug. Sie zielt auf Geschlechtswechsel ohne Chirurgenmesser ab - wie in Großbritannien, wo zwei Jahre "Lebenspraxis" im neuen Geschlecht reichen. (DER STANDARD, Printausgabe 03.11.2005)

Von Irene Brickner

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transx.at
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