Bud und Bit und das Regulativ

7. November 2005, 17:33
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Die FIFA verbietet den Alkohol-Ausschank bei ihren Bewerbsspielen - Bei der WM 2006 wird es aber Bier in den Stadien geben - in zwei Sorten

Wien - Angst und Empörung fördert die Auflage, also verkaufte sich der Daily Star mit dem Aufmacher "Deutschland verbietet uns das Saufen bei der WM" vermutlich blendend. Alkoholverbot im Stadion bei Spielen der Engländer - das lässt auch noch den blassesten Anhänger der "Three Lions" erbleichen. Rund 100.000 wollen nach Deutschland kommen, um David Beckham und Kollegen den x-ten Anlauf auf Englands zweiten Weltmeistertitel nach 1966 nehmen zu sehen.

Sie sollen beruhigt kommen, sagte sich Jens Grittner, Sprecher des WM-Organisationskommitees, und sprach also Beruhigendes: "Man sollte diesen Meldungen nicht auf den Leim gehen. Generell ist davon auszugehen, dass Alkohol bei der WM ausgeschenkt werden darf." Dass bei einzelnen Spielen mit besonderem Risiko ein Alkoholverbot ausgesprochen werden könne, sagte Grittner dem Sportinformationsdienst (sid) auch.

Schwarz auf weiß

In den Sicherheitsrichtlinien des Weltverbandes FIFA ist von Können allerdings keine Rede. Sie gelten für alle FIFA-Wettbewerbe, also natürlich auch für eine WM- Endrunde. Unter Paragraf I, Artikel 19 ist da zu lesen: "Der Verkauf und die öffentliche Abgabe von alkoholischen Getränken sind vor und während des Spiels innerhalb des gesamten umfriedeten Geländes der Stadionanlage verboten."

Diesem Diktum ist geschuldet, dass es bei Bewerbsländerspielen in Österreich keinen Alkohol im Stadion gibt, und dass es auch bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz keinen geben wird. Von Risikospielen ist in den EURO-Konzepten keine Rede, "das Alkoholverbot wird für alle Spiele von erheblichem öffentlichen Interesse gelten. Das sind alle 31", sagte Wolfgang Eichler, der Kommunikationsdirektor der EURO 2008. Über die Gründe, warum mit offensichtlicher Ausnahmegenehmigung bei der WM-Endrunde in Deutschland (9. Juni bis 9. Juli) wie auch schon bei ihrer Generalprobe (Confederations Cup) in den Stadien prinzipiell Alkohol ausgeschenkt werden darf, wollte Eichler nicht spekulieren.

Fest steht, dass die Fans, so sie nicht als Grund dafür angesehen werden, dass ein Spiel zum Risikospiel wird, bei der WM sogar zwischen Bier US- amerikanischer und deutscher Provenienz wählen können - zwischen Budweiser und Bitburger. Der US-Biergigant Anheuser-Busch ist einer 4. Spalte der Großsponsoren der WM und hat sich die exklusiven Werbe- und Ausschankrechte gesichert. Bitburger ist langjähriger Partner des deutschen Fußballbundes DFB und erzielte wohl auch deshalb in einem Streit mit den US-Amerikanern, der sogar schon zum Bierkrieg hochstilisiert wur 5. Spalte de, einen bemerkenswerten Erfolg. Gemeinsam sollten Bud und Bit dafür garantieren, dass eine peinliche Panne wie während des Auftaktspieles des Konfed-Cups zwischen Deutschland und Australien nicht wieder vorkommt. Da war in Frankfurt schon zur Halbzeit das Bier alle. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 3. November 2005, Sigi Lützow)

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    Dosen, auch die schön gewandeten, werden dem englischen Fußballfan bei der WM 2006 im Stadion verboten sein. Bier wird ihm allerdings nicht generell untersagt. Da kann sich die FIFA auf den Kopf stellen.

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