Salzburg: Protest gegen alljährlichen Aufmarsch der SS-Kameradschaft

3. November 2005, 20:16
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Kranz für Widerstandskämpfer heuer von Unbekannten geschändet - in vergangenen Jahren wurden Kränze von Künstlern "beschnitten"

Salzburg – Die Proteste gegen der alljährlichen Aufmarsch der SS-Kameradschaft IV zu Allerheiligen am Salzburger Kommunalfriedhof blieben auch heuer nicht aus. "Zum ehrenden Gedenken an die gefallenen Kameraden der Waffen-SS" ist auf jener Kranzschleife zu lesen, die der Münchener Künstler Wolfram Kastner gemeinsam mit Brecht-Tochter Hanne Hiob, Theatermacher Hubsi Kramar und anderen am Dienstag vom Kranz der Waffen-SS abgeschnitten hatte. Laut Berichten oberösterreichischer Lokalmedien ist ein ähnliches SS-Veteranengedenken übrigens auch auf dem Soldatenfriedhof in Steyr seit Jahren üblich.

In Salzburg war Kastners Schnitt heuer der insgesamt fünfte seit 1994 gegen "die braune Gesinnungslumperei".

In den vergangenen Jahren habe er die abgetrennte Schleife wiederholt an den Bundespräsidenten geschickt, berichtet Kastner. Nachdem dies aber nicht zu einer Untersagung des SS-Gedenkens geführt habe, werde nun Strafanzeige gegen Mitglieder der Kameradschaft IV erstattet werden. Die SS-Schleife von heuer will der Künstler in einer Münchener Galerie ausstellen.

Für die Beschneidung der SS-Banderole 2003 sei er von einem Münchener Gericht im Rechtshilfeverfahren zu 750 Euro Bußgeld – nicht rechtskräftig – verurteilt worden, berichtet Kastner. Das Verfahren für die Aktion vergangenes Jahr laufe erst an. Die Verurteilung habe ihm jedenfalls viel Solidarität eingebracht. Für Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek etwa handelt es sich um einen "Akt der Hygiene gewissermaßen, wie Waschen und Zähneputzen", schreibt sie.

Dass der von der Bürgerliste seit Jahren ebenfalls als Kontrapunkt zur SS-Kameradschaft niedergelegte Kranz zu Ehren der von der SS ermordeten Widerstandskämpfer heuer erstmals von Unbekannten geschändet und in den Müll geworfen wurde, ist für Kastner zudem ein Ansporn weiterzumachen: "Man muss so lange schneiden, bis das nicht mehr auftaucht." (neu, DER STANDARD Printausgabe 3.11.2005)

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