Kiffende Touristen unerwünscht

10. November 2005, 11:58
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Niederlande will Joints für Touristen verbieten - ab Jänner sollen nur noch Einheimische Zutritt zu Coffee-Shops haben

Die Niederlande wollen ihr Landesimage als "europäisches Drogenparadies" loswerden. Schon ab Jänner könnten nur noch Einheimische Zutritt zu Coffee-Shops haben. Touristen müssen dann auf Joints verzichten.

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Amsterdam – Junkies, Alkoholiker, auf Droge oder auf Entzug – wer bei "Chief Jaap" auf einen Kaffee vorbeischaut, muss sein Suchtproblem nicht verbergen. Die Hausordnung im "Tuinhuis" (Pavillon), einem Resozialisierungsprojekt im Zentrum von Amsterdam, ist einfach aber streng: Wer Drogen konsumiert oder damit handelt, fliegt raus. "Probleme gibt es kaum", resümiert der grauhaarige Chief, der mit vollem Namen Jaap van Ginkel heißt und sich seit den 70er-Jahren als Sozialarbeiter um die "Verlierer der Gesellschaft" kümmert.

"Drogenparadies"

In letzter Zeit kommen immer mehr "Verlierer". Grund: "Sichtbar Abhängige stören im hippen Heute", meint Jaap. Die restriktive Einstellung vieler Niederländer, die sich mittlerweile auch gegen Cannabis richtet, schlägt sich auch in der Drogenpolitik des Landes nieder. Die konservative Regierung will das Landesimage des "Drogenparadieses" loswerden.

Österreich ist daran sehr interessiert, da mit dem EU-Vorsitz ab Jänner von Wien aus auch die EU-Drogenpolitik mitbestimmt wird. Auf Initiative der niederländischen Botschaft wurden deshalb Vertreter des heimischen Gesundheitsministeriums, der Vereinten Nationen und DER STANDARD von geplanten Änderungen informiert:

Keine Joints mehr für Touristen

Die berühmten Coffee- Shops, in denen Verkauf und Konsum von kleinen Mengen Cannabis geduldet werden, sollen ab Jänner nur noch Einheimischen offen stehen. Touristen sollen keine Joints mehr erhalten. Einer etwaigen Klage vor dem Europäischen Gerichtshof wegen Diskriminierung sieht Paul van Voorst vom Justizministerium gelassen entgegen. Man könne nichts einklagen, was gesetzlich verboten sei. Die Zahl von Coffee-Shops hat sich in den vergangenen fünf Jahren beinahe halbiert, derzeit gibt es rund 750 im ganzen Land.

Cannabis droht überhaupt das Aus

Nach fünf Jahren wird auch die Aktion "Cannabis aus der Apotheke" gestoppt. Die Abgabe (hauptsächlich als Tee) an bestimmte Patienten hat sich als unrentabel herausgestellt.

Cannabis droht überhaupt das Aus. Mit fortschreitender Kultivierung stieg auch permanent der THC-Gehalt, der für die berauschende Wirkung verantwortlich ist. Sollte sich in einer noch laufenden Untersuchung herausstellen, dass der höhere THC-Gehalt die immer häufiger werdenden Persönlichkeitsstörungen unter Haschrauchern auslöst, wird Cannabis als harte Droge eingestuft, so Ton Cramer vom Gesundheitsministerium.

Staatliche Abgabe von Heroin

Unverändert bleibt die staatliche Abgabe von Heroin. Derzeit erhalten 75 Patienten, bei denen andere Behandlungen nichts brachten, Heroin. Im internationalen Vergleich von Konsumenten harter Drogen liegen die Niederlande mit drei pro 1000 Einwohner am unteren Ende. In Österreich beträgt der Anteil 6 von 1000. In Luxemburg und Großbritannien konsumieren jeweils ein Prozent der Bevölkerung Heroin und Kokain. (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe 3.11.2005)

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    Touristen sollen keine Joints mehr erhalten. Einer etwaigen Klage vor dem Europäischen Gerichtshof wegen Diskriminierung sehen die Niederlande gelassen entgegen

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