Wiesenthal-Zentrum fordert Untersuchung von NS-Verbrechen in Ungarn

4. November 2005, 20:05
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Vorwürfe gegen Pfeilkreuzler Lajos Polgar wegen Mord und Verfolgung

Budapest - Das Simon-Wiesenthal-Zentrum hat die ungarische Generalstaatsanwaltschaft im Zusammenhang mit dem in Australien lebenden Ungarn Lajos Polgar um eine umfassende Untersuchung ersucht. Polgar soll im Zweiten Weltkrieg ein Führer der nazistischen ungarischen Pfeilkreuzler gewesen sein. Wie der Sprecher des ungarischen Generalstaatsanwalts Zoltan Borbely betonte, würde der Antrag gegenwärtig durch die zuständige Hauptabteilung untersucht.

Strafverfahren gegen Polgar möglich

Das Verbrechen an den Opfern des Holocaust untersuchende Wiesenthal-Zentrum mit Sitz in Jerusalem hatte bereits zuvor angekündigt, über die israelische Botschaft in Ungarn eine Untersuchung der Tätigkeit Polgars anzustrengen. Wie die ungarische Nachrichtenagentur MTI am Mittwoch unter Berufung auf das Außenministerium berichtet, sollen die ungarischen Behörden im Fall einer eindeutigen Beweislage ein Strafverfahren gegen Polgar einleiten. Das Wiesenthal-Zentrum habe seinem Schreiben die Kopien zeitgenössischer Gerichtsprotokolle beigefügt, die belegten, dass Polgar vermutlich Mittäter bei Morden und Verfolgungen war.

Der 89-jährige Polgar hatte gestanden, Jugendführer der Pfeilkreuzlerpartei sowie Sekretär eines der hochrangigen Parteiführer, des wegen Kriegsverbrechen später hingerichteten Jozsef Gera, gewesen zu sein. Polgar hatte im Jahr 1958 in Australien um Staatsbürgerschaft angesucht. Er hatte bei seiner Einwanderung im Jahr 1949 einen falschen Namen und ein falsches Geburtsdatum angegeben, weswegen er im Einbürgerungsprozess 1958 zur Rede gestellt worden war. (APA)

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