Oberfläche siegt!

3. November 2005, 07:00
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Am Arbeitsmarkt stehen die Dicken im Out - Hoffentlich nicht mehr lange - ein Kommentar

Was Betroffene schon längst vermutet haben, kann nun Schwarz auf Weiß nachgelesen werden. Eine Studie des britischen Fachmagazins "Personnel Today" hat ergeben, dass von 2000 befragten PersonalchefInnen 93 Prozent angaben, sie würden schlanke BewerberInnen übergewichtigen vorziehen. Wohlgemerkt bei gleicher Qualifikation. "Fettleibigkeit", meinte ein Drittel, sei ein "berechtigter Grund". Damit nicht genung: Für zehn Prozent der Befragten stellt Übergewichtigkeit sogar ein Kündigungsfaktum dar.

Die Vorurteile gegenüber Dicken kennen scheinbar keine Grenzen. Da kommt zuallererst jenes des Mangels an Selbstdisziplin zum Tragen. Nach dem Motto "Was kann von einer Person, die im Verdacht steht, unkontrolliert riesige Nahrungsmengen in sich hinein zu stopfen, arbeitstechnisch schon erwartet werden? Ja, was eigentlich? Denn nach der unlogischen Schlussfolgerung, die Vorurteilen anhaftet, bzw. diese zu dem machen, was sie sind, könnte genauso gut gemutmaßt werden, dass eine als "faul" geltende dicke Person das Gegenteil davon ist, nämlich besonders fleißig. Diese logische Formel hieße: Essen im Übermaß = Arbeiten im selben Ausmaß.

Ebenso könnte man ein positives Vorurteil über Dicke einführen. Gelten sie doch hinlänglich auch als ausgeglichen und stressresistent. Und welche Firma braucht in Wirklichkeit nichts dringender als einen ruhenden Pol, der/die auch dann nicht aus der Fassung gerät, wenn es einmal so hektisch zugeht, dass die betrieblichen Strukturen und Inhalte im Chaos zu versinken drohen?

Jenseits dieser, und deshalb nicht ganz ironisch gemeinter Umkehrung, ist das Ergebnis der Studie alles andere als lustig. Auch wenn ein derzeit europaweit desaströs überschwemmter Arbeitsmarkt - die Arbeitslosenquote war seit dreißig Jahren nicht mehr so hoch wie heute - unmenschliche Auswüchse an Bewerbungskriterien zeitigt, sollte bei der Einstellung von Arbeitskräften ein gewisses Maß an logischem Denken, Hausverstand und Humanität gewahrt bleiben. Und BewerberInnen in erster Linie nach ihren fachlichen und sozialen Qualifikationen und nicht nach ihrem Aussehen bewertet werden.

Leider rangiert gesellschaftliche Oberflächlichkeit nicht nur am Arbeitsmarkt ganz oben. Hoffen wir daher, dass baldigst wieder Tiefe, Vernunft und Intelligenz einkehren. Davon würden beide Pole profitieren und der ungustiöse Terminus von der adäquaten Verwertung sogenannter "human ressources" zumindest ansatzweise Legitimität erhalten. (Dagmar Buchta)

03.11.2005
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    Zu dick für den Job?
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