Nobelpreisträger ohne braune Flecken

4. November 2005, 10:10
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Gutachten entlastet Wagner-Jauregg - Linzer Nervenklinik wird nicht umbenannt

Linz - Der Psychiater und Nobelpreisträger Julius Wagner-Jauregg (1857-1940) ist keine "historisch belastete Persönlichkeit". Zu diesem eindeutigen Schluss kommt eine von der oberösterreichischen Landesregierung eingesetzte Expertenkommission. Anlass für die Prüfung war die Forderung von Grünen und KPÖ, die Linzer Landesnervenklinik Wagner-Jauregg umzubenennen.

Seit Jahrzehnten steht der bis dato einzige österreichische Medizin-Nobelpreisträger im Verdacht, NSDAP-Mitglied, Protagonist der Rassenhygiene sowie ein Verfechter der Euthanasie gewesen zu sein. Diese Vorwürfe wurden jetzt klar widerlegt, eine Umbenennung wird es daher, mit grüner Zustimmung, nicht geben. Wagner-Jauregg war nie NSDAP-Mitglied, ergab das Gutachten. Er hat zwar kurz vor seinem Tod einen Antrag auf Mitgliedschaft gestellt, der aber abgelehnt wurde und deshalb "nicht ausreichend für eine Belastung" sei.

Auch der Vorwurf, er sei ein Befürworter von Rassenhygiene und Euthanasie gewesen, hätte der, so die Experten am Mittwoch, wissenschaftlichen Prüfung nicht standgehalten. Die von Wagner-Jauregg während des Ersten Weltkriegs angewandte Elektrotherapie gegen "Kriegsneurosen" sei aus heutiger Sicht umstritten, aber "ethisch vertretbar".

Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) sieht durch die "tief greifende Untersuchung" alle Zweifel beseitigt, und Grünen-Klubobmann Gunther Trübswasser ist mit der "Weg weisenden Vorgangsweise" zufrieden. (mro, DERSTANDARD Printausgabe 3.11.2005)

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