Matthias Platzecks politischer Weg zum SPD-Chef

9. Dezember 2005, 15:59
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Diplom-Ingenieur und Ökologe aus der DDR wird überraschend Spitzenmann der deutschen Sozialdemokraten

Hamburg - Die politischen Wurzeln des designierten deutschen SPD-Vorsitzenden Matthias Platzeck reichen zurück in die DDR. Dort engagierte sich der Diplom-Ingenieur und Ökologe zunächst für eine grüne Bürgerrechts-Bewegung. Daten seiner Politiker-Karriere:

November 1989: Nach dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch des kommunistischen DDR-Regimes beteiligt sich Platzeck an der Gründung der Grünen Liga. Als deren Sprecher sitzt er am "Zentralen Runden Tisch", an dem über die Zukunft der DDR verhandelt wird.

Februar 1990: Zwei Monate Minister ohne Geschäftsbereich in der Regierung Modrow. Bei den Volkskammerwahlen im März erringt Platzeck ein Mandat für die Grüne Partei der DDR. In der Fraktion aus Bündnis 90 und DDR-Grünen wird er parlamentarischer Geschäftsführer.

Oktober 1990: Landtagswahl in Brandenburg. Platzeck wird Abgeordneter für die Fraktion Bündnis 90 und kurz darauf Minister für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung. 1994 wird er im Amt bestätigt.

September 1991: Platzeck wird in den Bundessprecherrat der Partei Bündnis 90 gewählt. Er lehnt den Zusammenschluss mit den westdeutschen Grünen ab und verlässt die Partei.

Juni 1995: Nach längerer Bedenkzeit tritt Platzeck der SPD bei.

Juli 1997: Bei der Überschwemmungskatastrophe an der Oder bewährt sich der brandenburgische Umweltminister Platzeck als pragmatischer und unermüdlicher Krisenmanager. Eine Boulevardzeitung kürt ihn zum "Deich-Grafen".

September 1998: Platzeck gibt seinen Ministerposten auf und wird Oberbürgermeister von Potsdam. Damit verhindert er dort nach einer Korruptionsaffäre und der Abwahl seines SPD-Vorgängers einen Machtwechsel im Rathaus hin zu den PDS-Reformkommunisten.

Dezember 1999: Platzeck wird in den SPD-Bundesvorstand gewählt und gilt jetzt als Hoffnungsträger der SPD in Ostdeutschland.

Juli 2000: Platzeck wird SPD-Vorsitzender von Brandenburg und Favorit für die Nachfolge von Ministerpräsident Manfred Stolpe.

Juni 2002: Nach Stolpes Amts-Verzicht wählt der Landtag Platzeck zum Ministerpräsidenten. Sein Amt als Oberbürgermeister gibt er auf.

September 2004: Bei der Landtagswahl bricht die SPD ein - auch wegen der Wähler-Kritik an den Arbeitsmarkt- und Sozialreformen der Bundesregierung. Dennoch behauptet sich die SPD als stärkste Partei vor den PDS-Reformkommunisten. Die gilt auch als Platzecks Verdienst.

2. November 2005: Die SPD-Spitze schlägt Platzeck als Nachfolger für den bisherigen Bundesvorsitzenden Franz Müntefering vor. Sein Amt als Ministerpräsident von Brandenburg will er behalten. (dpa)

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