Bush "versteht, dass nicht die ganze Welt mit mir einverstanden ist"

7. November 2005, 18:46
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US-Präsident verspricht den Lateinamerikanern im Vorfeld des Amerika-Gipfels Handelsvorteile

Wien - US-Präsident George W. Bush hat im Vorfeld des IV. Amerika-Gipfels im argentinischen Mar del Plata den lateinamerikanischen Staaten eine Öffnung der Märkte versprochen, soferne auch die Gegenseite dazu bereit sei. "Ich werde den Leuten da unten sagen", sagte Bush in einem Interview, das die spanische Nachrichtenagentur EFE am gestrigen Dienstag veröffentlichte, "dass unsere Märkte offen sind, immer und sobald sie ihre öffnen." Im Zentrum der Gespräche mit den Staatsführern stehen für Bush, dessen Politik auf der Süd-Hälfte des amerikanischen Kontinents große Ablehnung entgegenschlägt, drei Elemente: Demokratie, gute Regierungsführung ("good governance") und der Handel.

Anti-Amerikanismus

Präsident Bush sprach von "guten" Beziehungen der USA mit den lateinamerikanischen Staaten. Zugleich maß er aber auch dem wachsenden Anti-Amerikanismus in der Region Bedeutung bei. "Ich verstehe, dass nicht die ganze Welt mit mir einverstanden ist, das ist nicht auf Lateinamerika beschränkt." Die von Bush geführte Delegation will sich um Fortschritte in den Verhandlungen zu einem panamerikanischen Freihandelsabkommen - unter Ausschluss Kubas, das von den USA mit Sanktionen belegt ist - bemühen. Das Abkommen ist seit dem ersten "Gipfel der Amerikas" 1994 über einen Verhandlungsstatus nicht hinausgekommen.

Brasilien ist einer der vehementesten Gegner eines unausgewogenen Freihandelsabkommens. Es fordert eine Aufhebung der US-amerikanischen Agrarsubventionen und Verhandlungen, in die denen der Mercosur (Mitglieder: Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay) als Block vertreten ist. Das wurde von den USA bisher abgelehnt.

Chavez spricht auch auf Gegengipfel

Ein zweiter großer Kontrahent Bushs auf dem Gipfel wird zweifellos der venezolanische Präsident Hugo Chavez sein, der auch auf dem parallel ablaufenden Gegengipfel in Mar del Plata das Wort ergreifen will. Aus welcher Richtung der Wind weht, machte der linkspopulistische Chavez in seiner wöchentlichen Fernsehsendung "Aló presidente" klar: "Wer zur Hölle fahren will, soll den Weg des Kapitalismus gehen, den des Neoliberalismus", erklärte er laut Online-Dienst der spanischen Tageszeitung "El País". Die US-Delegation gab sich gelassen. Sie ist auf Provokationen des venezolanischen Präsidenten "vorbereitet", berichtete "El País".

34 RegierungsvertreterInnen nehmen teil

An dem zweitägigen "IV. Gipfel der Amerikas" (4. und 5. November) in Mar del Plata sollen Staatsoberhäupter aus 34 Nationen teilnehmen. Bei dem Treffen stehen gemeinsame wirtschaftliche Probleme, soziale und politische Entwicklungen zur Diskussion. (APA)

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