Neues Chemotherapeutikum im Einsatz gegen Multiples Myelom

18. November 2005, 18:52
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Tumorzellen ersticken am eigenen "Müll"

Paris - Hilfe für Patienten mit einem Multiplen Myelom, auch wenn die ersten Therapien bereits versagt haben: Ein neues Chemotherapeutikum lässt Tumorzellen sozusagen am eigenen "Müll" ersticken. Frühere Anwendung und die Kombination mit anderen Medikamenten bremsen bei den von dieser bisher unheilbaren Form von Blutkrebs betroffenen Patienten zumindest den Verlauf der Erkrankung, erklärten Fachleute bei der Europäischen Krebskonferenz (ECCO) in Paris (bis 3. November).

"Wir stehen derzeit am Rande eine neuen Ära. Wir addieren in unseren medikamentösen Krebstherapien nicht mehr zwei, drei oder gar vier toxische Chemotherapeutika, sondern wir basieren unsere Behandlung immer mehr auf dem Wissen über die typischen Mechanismen, die in bösartigen Zellen zum Tragen kommen", sagte Univ.-Prof. Dr. Alan K. Burnett, Chef der Abteilung für Hämatologie der Cardiff University (Wales).

Wirkungsweise

Ein Beispiel dafür ist Bortezomib ("Velcade"/Janssen-Cilag). Das Arzneimittel wird derzeit zur Behandlung des Multiplen Myeloms angewendet, wenn zumindest eine erste Chemotherapie versagt hat. Der Wirkstoff verstopft eine Untereinheit des so genannten Protesoms in den besonders stoffwechselaktiven Krebszellen. Proteosome sind jene Zell-Organe, welche für den Abbau von nicht mehr benötigten Proteinen verantwortlich sind. Werden sie blockiert, kommt es unter anderem zu einer Ansammlung von "Müll-Proteinen", die Krebszellen sterben ab.

Univ.-Prof. Dr. Jean-Luc Harousseau, Chef der Abteilung für Onkologie an der Universitätsklinik von Nantes (Frankreich): "Bei bereits stark vorbehandelten Patienten mit einem Multiplen Myelom konnte man mit Bortezomib immerhin noch bei 35 Prozent eine Wirkung erzielen. Bei elf Prozent kam es zu einem völligen Rückgang der Erkrankung." Eine Kombination mit dem Cortison Dexamethason bzw. dem Contergan-Wirkstoff Thalidomid brachte sogar Ansprechraten von um die 70 Prozent.

Auch bei Kranken mit sonst besonders schwer behandelbaren Blutkrebs-Formen, zum Beispiel Patienten mit Mantelzell-Leukämie, lässt sich mit dem Arzneimittel - so der Wiener Experte Univ.-Prof. Dr. Johannes Drach (AKH) - bei rund 40 Prozent die Krankheit zumindest vorübergehend zurück drängen. Erprobt wird das Arzneimittel mittlerweile auch bei anderen bösartigen Erkrankungen, zum Beispiel bei Bauchspeicheldrüsen-, Lungen- und Prostatakarzinomen.(APA)

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