"Windows Live" - das Imperium schlägt zurück

9. Dezember 2005, 10:16
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Microsoft startet zweite Internet-Offensive - Reaktion auf verschärften Wettbewerb mit Google

Mit neuen Internet-Diensten reagiert Microsoft auf den verschärften Wettbewerb mit dem Herausforderer Google. Der Software-Marktführer stellte am Dienstagabend das Online-Portal "live.com" vor, wo Privatanwender und kleine Unternehmen alles finden sollen, was sie im Netz brauchen. An eine Web-Umsetzung seiner Software-Flaggschiffe traut sich das Unternehmen aber noch nicht heran.

Dach für neue Internet-Angebote

Das Portal live.com bildet das Dach für die neuen Internet-Angebote Windows Live und Office Live, bei denen es sich allerdings nicht um Online-Versionen des Betriebssystems oder von Word, Excel und Co. handelt. Vielmehr fährt Microsoft hier neue Geschütze im Kampf um das meist besuchte Internet-Portal auf. Mit attraktiveren Angeboten für E-Mail, Echtzeit-Kommunikation (Messaging), Online-Adressbüchern oder persönlichen Web-Auftritten soll das Online-Publikum von Google und Yahoo weggelockt werden.

Werbe-Einnahmen

Dabei geht es zum einen um lukrative Werbe-Einnahmen, zum anderen aber auch um die Kontrolle eines Marktes, der mittelfristig das Microsoft-Geschäft mit den Software-Produkten aus der Box gefährden könnte. So hat Google eine Partnerschaft mit dem langjährigen Microsoft-Rivalen Sun Microsystems vereinbart, um eine Online-Version der Büroanwendungen von StarOffice zu entwickeln. Wenn man für Textverarbeitung und Tabellenkalkulation nicht mehr ein Programm von der Festplatte starten muss, sondern das im Browser mit einer intelligenten Web-Anwendung erledigen kann, werden die Karten im Software-Markt neu gemischt.

Online-Zusammenarbeit in kleinen Unternehmen

Mit dem am Dienstag vorgestellten Office Live kann man aber kein Word-Dokument erstellen. Hier geht es um den privaten Web-Auftritt sowie um die Online-Zusammenarbeit in kleinen Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern. Bei "Office Live Basic" kann man sich sogar kostenlos eine eigene Internet-Adresse registrieren lassen und begrenzten Platz für persönliche Web-Seiten bekommen. Mehr Web-Space gibt es bei dem gebührenpflichtigen "Office Live Essential". Die dritte Ausführung, "Office Live Collaboration", stellt Unternehmen Internet-Dienste für das Management ihrer Geschäfte und Kundenbeziehungen bereit.

Internet-Offensive Volume II

Mit seiner neuen Internet-Offensive schlägt Microsoft zum zweiten Mal zurück. Schon einmal war das Imperium aus dem Netz unter Druck geraten - 1995 nutzte alle Welt den Netscape-Browser, um das neue Medium des World Wide Webs zu erkunden. Am 7. Dezember 1995 kündigte Firmengründer Bill Gates dann an, dass Microsoft das Internet als neuen Geschäftsbereich erschließen werde. Was folgte, war der "Browser-Krieg", in dem der Internet Explorer von Microsoft den Netscape-Pionier verdrängte.

Revolution

Jetzt sagte Gates in San Francisco, die Einführung von web-gestützten Anwendungen sei "eine Revolution, wie wir über Software denken". Dazu gehört auch, dass Microsoft seine Umsätze künftig nicht mehr so sehr aus dem Verkauf seiner Software-Pakete, sondern auch aus Werbung sowie Gebühren für abonnierte Dienste oder einzelne Transaktionen erzielen will. Solche Einnahmen würden bei Microsoft künftig eine größere Rolle spielen, sagte der Deutschland-Geschäftsführer Jürgen Gallmann in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Beta

Was es zum Start von live.com zu sehen gibt, ist der Testbetrieb (Beta) von Windows Live mit Internet-Suche, einem neuen Mail-Angebot, das allerdings noch nicht ganz fertig ist, aktuellen Internet-Informationen in Gestalt von RSS-Feeds und einer Wettervorhersage für den eigenen Wohnort. Bisher unterscheidet sich das noch nicht so sehr vom MSN-Portal des Software-Marktführers. Windows Live soll aber vor allem die ambitionierten Privatanwender ansprechen und auch mit mobilen Geräten genutzt werden können. Das ergänzende Angebot Office Live soll erst im Frühjahr 2006 in den Beta-Test gehen, zunächst nur in den USA und auch nur auf besondere Einladung. Der Start von Office Live im deutschsprachigen Raum steht noch nicht fest. (von Peter Zschunke, AP)

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