Teheran tauscht 40 Botschafter aus

9. November 2005, 15:16
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Laut Medien wegen zu "liberaler Gesinnung" - Auch Vertreter in Berlin, Paris und London betroffen

Teheran - Drei Monate nach dem Amtsantritt des streng konservativen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad will der Iran dutzende Diplomaten in ausländischen Vertretungen auswechseln. "Der Einsatz von etwa vierzig Botschaftern oder Diplomaten wird zum Jahresende auslaufen", teilte der iranische Außenminister Manouchehr Mottaki am Mittwoch in Teheran mit. Sobald ihre Nachfolger ernannt seien, würden die betroffenen Diplomaten im iranischen Außenamt weiterarbeiten. Die britische Tageszeitung "Times" hatte zuvor berichtet, dass der Iran etliche Botschafter austauschen wolle, die für die neue Regierung unter Ahmadinejad als zu liberal gelten.

Mottaki sagte nach Angaben der iranischen Nachrichtenagenturen Isna und Irna, eine solche Umbesetzung sei "normal". Im Allgemeinen seien davon Diplomaten betroffen, deren Einsatz ablaufe. "In anderen Fällen haben die Botschafter das Pensionsalter erreicht oder einen Rentenantrag gestellt." Der Außenminister bezog sich mit seiner Zeitangabe offenbar auf den iranischen Kalender, bei dem das Jahr im März endet.

Mehrere Botschafter, deren Namen unlängst im Gespräch gewesen seien, seien am Ende der Mission angelangt, sagte Mottaki der staatlichen Nachrichtenagentur Irna zufolge. In den vergangenen Tagen hatte es wiederholt geheißen, dass die iranischen Botschafter in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Malaysia sowie in Genf ausgewechselt werden sollten.

Teilnahme an Atom-Gesprächen

Die iranische Vertreter in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und bei den Vereinten Nationen hatten an den Verhandlungen um das umstrittene iranische Atomprogramm teilgenommen. Den früheren iranischen Verhandlungsführer Hassan Rohani (Rouhani) ersetzte die Regierung in Teheran bereits durch den Hardliner Ali Larijani.

Die iranische Vertretung in London teilte mit, dass auch der Botschafter Mohammed Hossein Adeli nach Teheran zurückbeordert worden sei. Adeli hatte den Posten erst vor einem Jahr übernommen. Wie die "Times" berichtete, sind viele bisherige Botschafter Anhänger des ehemaligen Präsidenten Hashemi Rafsanjani. In Deutschland ist Botschafter Seyed Shamseddin Khareghani, der als aufgeschlossen und dialogbereit gilt, allerdings erst seit Jänner 2003 im Amt. Wie in Berlin verlautete, soll er Ende November abgelöst werden.

Der neue iranische Präsident gilt als ultrakonservativ; zuletzt sorgte er international für Empörung, als er öffentlich zur Auslöschung Israels aufrief. Auch mit seinem Atomprogramm stößt der Iran auf heftigen Widerstand im Westen; die Angelegenheit droht vor den Weltsicherheitsrat zu kommen.

Italienischer Botschafter einbestellt

Nach der Drohung Ahmadinejads, Israel "von der Weltkarte radieren" zu wollen, reagierte Teheran am Mittwoch auf eine für Donnerstag geplante pro-israelische Demonstration in Rom mit der Einbestellung des italienischen Botschafters. Botschafter Roberto Toscano habe dabei erneut betont, dass es nach Auffassung Italiens keinen Zweifel am Existenzrecht Israels gebe, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Auch in Österreich ist am Mittwochabend eine solche Protestkundgebung geplant.

Der britische Premierminister Tony Blair sagte vor dem Parlament in London, dass von einem Einmarsch in den Iran keine Rede sein könne. Aber "die iranische Regierung muss einsehen, dass die Weltgemeinschaft es sich einfach nicht gefallen lässt, dass sie (die Regierung) unentwegt die angemessenen und normalen Verhaltensstandards bricht, die wir von einem Mitglied der Vereinten Nationen erwarten." (APA/AFP/dpa)

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