Ermittler entdeckten weitere elf Geheimkonten von Berlusconis Gruppe

2. November 2005, 18:44
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Fahndungen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein - Berlusconi weist Vorwürfe zurück

Rom - Die Mailänder Staatsanwaltschaft hat elf geheime Bankkonten entdeckt, auf die Manager der Medienholding Fininvest unter Kontrolle des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi angeblich Schwarzgeldsummen angesammelt haben sollen. Zehn davon befinden sich in der Schweiz und eines im Fürstentum Liechtenstein, berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica" am Mittwoch. Die Ermittler haben Kontakt zu ihren Kollegen in Bern aufgenommen, um die Personen aufzuspüren, die die Bankkonten eröffnet haben.

Sieben Bankkonten

Die Mailänder Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Schweizer Vermittler die Bankkonten in Berlusconis Auftrag geöffnet haben könnten. Sieben weitere Bankkonten, die auf Fininvest zurückzuführen sind, waren bereits vergangene Woche entdeckt worden. Die Mailänder Mediengruppe Mediaset unter Fininvests Kontrolle bestritt in einer Presseaussendung eine Verbindung zwischen den elf Bankkonten und der Gesellschaft.

Parlamentswahlen am 9. April

Die Ermittlungen um die ausländischen Bankkonten können Berlusconi schaden, der bei den Parlamentswahlen am 9. April auf ein weiteres fünfjähriges Mandat als Ministerpräsident hofft. Am vergangenen Freitag hat die erste Gerichtsverhandlung begonnen, bei der Mailänder Richter über die Eröffnung eines Prozesses gegen Berlusconi entscheiden muss. Berlusconi, der Präsident der Mailänder TV-Holding Fininvest, Fedele Confalonieri, sowie weitere zwölf Manager und Berater der Mediengesellschaft werden Bestechung und Steuerhinterziehung vorgeworfen.

Für Falschaussagen bezahlt

Ermittelt wird in der Affäre unter anderem gegen den Londoner Rechtsanwalt David Mills, den Ehemann der britischen Kulturministerin Tessa Jowell. Dabei geht es um einen undurchsichtigen Kauf von Filmübertragungsrechten. Es bestehe der Verdacht, dass Berlusconi für Falschaussagen des Anwalts bezahlt oder Zahlungen dafür angeordnet habe. Berlusconi hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Schwarzgelder und illegale Parteienfinanzierungen/b>

Die Mailänder Staatsanwälte versuchen Klarheit über die Schwarzgelder und illegale Parteienfinanzierungen zu schaffen, welche die Berlusconi-eigene Mediaset in den 90er Jahren gezahlt bzw. getätigt haben soll. Mills wird verdächtigt, auf den British Virgin Islands ein Netz von Offshore-Gesellschaften aufgebaut zu haben, mit deren Hilfe Berlusconi Schwarzgelder in Millionenhöhe gewaschen und am italienischen Fiskus vorbeigeführt haben soll.

Schon in den vergangenen Jahren waren Berlusconi, Mediaset-Präsident Confalonieri und der ehemalige Verantwortliche für die Auslandstöchter von Berlusconis Fininvest, Giorgio Vanoni, ins Visier der Ermittler geraten. Ihnen wurde Bilanzfälschung und Steuerbetrug vorgeworfen. Ermittelt wird auch gegen die Ex-Leiterin der Fininvest Service SA mit Sitz in Massagno (Schweiz), Candia Camaggi, und gegen Paolo Del Bue, Direktionsmitglied der Arner Bank in Lugano. Del Bue steht unter dem Verdacht der Geldwäscherei. (APA)

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