... und Carnuntum bewegt sich doch

14. Mai 2006, 10:35
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Obwohl die Weinbauregion vor den Toren Wiens eine Weißweingegend ist, machen vor allem die Rotweine Furore

Im Dornröschenschlaf wähnte man das Weinbaugebiet Carnuntum östlich von Wien, wenn dieser zum Glück auch nicht sehr lange dauerte. Aber nach der Jahrtausendwende konnte man den Eindruck gewinnen, dass man sich in der Region an dem erfreute, was man als Shooting-Weinbaugebiet Anfang der 90-er erreicht hatte, ohne sich groß mit Zukünftigem zu befassen. Und trotz einzelner Winzer, die sich in dieser Zeit in der Spitze etablieren konnten.

Es regt sich...

Seit etwa einem Jahr sind wieder merkbare Regungen zu spüren. Zum einen scheint Carnuntum nicht mehr fast ausschließlich aus Göttlesbrunn zu bestehen. Betriebe wie Schenzel-Wallner in Bruck, Robert Nadler in Arbesthal oder die Johannes Trapl in Sarasdorf zeigten auf, welche Vielfalt die Sand-, Lehm-, Löss- und Schotterböden südlich der Donau hergeben. Stixneusiedl mit perfekt südexponierten Lagen scheint sich derzeit als weiterer Wein-Hotspot herauszukristallisieren. Experimentierfreude sowohl bei Rebsorten wie auch bei Ausbaustilen hielt Einzug. Bei der Vinifikation geht man tendenziell weg von zu brachialem Holzeinsatz. Zwar weiß man was man an den traditionellen österreichische Rebsorten wie Zweigelt, Sankt Laurent oder – seltener, aber dort wo’s möglich ist – an Blaufränkisch hat, aber man probiert so einiges aus.

... und bewegt sich

Merlot konnte sich gut etablieren, ebenso wie Pinot Noir, der von einigen Winzern an den Richtung Donau geneigten Hängen gepflanzt wurde. Auf den Blaufränkisch-Traditionslagen am Spitzerberg bei Hainburg keltert Horst Pelzmann bereits seit einigen Jahren bemerkenswerte Rotweine. Dazu kommen Jungwinzer wie der hochtalentierte Lukas Markowitsch aus Göttlesbrunn, der mit großer Kontinuität zeigt, was er nicht nur bei Zweigelt zu leisten imstande ist. Dazu gehören auch Weinbauprojekte wie jenes von Dorli Muhr-Van der Niepoort in Rohrau, wo sie auf 30-jährigen Anlagen Blaufränkisch produziert.

Mit Forbes MacGregor, einem jungen australischen Önologen, wurde ein Berater mit einiger internationaler Erfahrung engagiert, der seine Aufgabe in erster Linie darin sieht, gemeinsam mit den Winzern einen regionstypischen Stil zu entwickeln. „Ich bin nicht hier, um ihnen zu sagen, wie es geht, sondern, vor allem um zu zeigen, was möglich ist, was sie draußen in der Weinwelt erwartet.“

Historie: alt und trotzdem jung

Erst 1993 wurde Carnuntum, das bis dahin zu Donauland gehörte, sozusagen „unabhängig“. Hannes Artner aus Höflein, Hans Pitnauer und Walter Glatzer aus Göttlesbrunn leisteten seinerzeit die Pionierarbeit. Sie waren die ersten, die ins Rampenlicht des Interesses rückten. So richtig los ging es mit Gerhard Markowitsch, heute zu den Top 20 der österreichischen Winzer zählt und bereits damals das nötige Verständnis für Marketing mitbrachte, und so einen möglichen Weg aufzeigte, den Philipp Grassl in der Zwischenzeit ebenfalls höchst erfolgreich beschreitet. 1988 und 1992, übrigens lange bevor ein Steirischer Junker in aller Munde war, wurden mit Primus Carnuntum für Weißweine und Rubin Carnuntum für Rotweine Gebietsmarken eingeführt, die sich gut etablieren konnten. Primus steht dabei für den ersten Grünen Veltliner der Kabinettsstufe eines Jahrgangs, also nicht für das, was üblicherweise unter Jungweinen verstanden wird. Und Rubin Carnuntum war von Anfang an als Cuvée aus Zweigelt und Blaufränkisch bzw. als reinsortiger Wein aus einer dieser beiden Rebsorten konzipiert.

Gerne beruft man sich in der Region auf die lange Weinbau-Tradition, im Speziellen die Römer, unter denen das ehemalige Militärlager Carnuntum zwei, drei Jahrhunderte nach Christus geboomt hat. Und die vielen Soldaten, die natürlich Wein trinken wollten, ein Grundnahrungsmittel für das Volk im römischen Reich und damals sicher hygienischer als Wasser. 1850 bis 1900 war die Gegend zwischen dem Leithagebirge, den Spitzerberg bei Bratislava, der Donau und rund um das Arbesthaler Hügelland, dass sich quasi mitten in dieser Schüsselartigen Landschaft, die den oberen Rand des Pannonischen Beckens formt, ein dicht bepflanztes Weinland. Doch nach dem zweiten Weltkrieg war die Pracht vorbei.

Zahlen, Daten, Fakten

Fast 900 ha Rebfläche hat Carnuntum, womit es unter Österreichs Weinbaugebieten zu den eher kleineren zählt. Zwei Drittel davon sind immer noch Weißwein, dabei vor allem Grüner Veltliner und Burgundersorten, ein Drittel ist Rot: Zweigelt, Blaufränkisch, Sankt Laurent, Pinot Noir, dazu Merlo, Cabernet Sauvignon und etwas Shiraz. Rund 750 traubenproduzierende Betriebe gibt es in der Region, etwa 50 davon, die selbst vinifizieren, abfüllen und vermarkten. Acht dieser 50 Betriebe erzeugen mehr als 100.000 Flaschen, drei von diesen mehr als 250.000, womit man in Österreich bereits zu den Großen gehört.

Die nächste Gelegenheit zumindest Göttlesbrunner Weine zu probieren, gibt es beim 10. Leopoldigang, den Tagen der offenen Kellertür, am 19. & 20. 11. 2005, Tel. (02162) 89 43

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