Moshammer-Prozess: Angeklagter legt nun doch eindeutiges Geständnis ab

8. November 2005, 14:24
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Herisch A.: "Ich habe ihn getötet, ich trage die Verantwortung"

München - Der wegen Mordes an Modemacher Rudolph Moshammer angeklagte Herisch A. hat am zweiten Prozesstag ein eindeutiges Geständnis abgelegt. Der 25-Jährige sagte am Donnerstag vor dem Münchner Schwurgericht: "Ich habe ihn getötet, ich trage die Verantwortung." Der Iraker fügte hinzu: "Ich habe das Kabel um seinen Hals gelegt, und dann habe ich stark zugezogen." Moshammers Chauffeur Andreas Kaplan soll im Laufe des Tages als Zeuge gehört werden.

Widersprüche am Mittwoch

Zu Beginn des Prozesses am Mittwoch ist der Angeklagte Herisch A. von seinem früheren Geständnis abgewichen. "Ich wollte Moshammer nicht töten", versicherte der 25-jährige Iraker am Mittwoch vor dem Münchner Schwurgericht. Mit stockender Stimme sagte er, im Streit um sexuelle Praktiken habe zuerst Moshammer ihn geschlagen. Er habe zurückgeschlagen, und Moshammer habe noch gelebt, als er dessen Haus verlassen habe.

Der Prozess begann unter großem Medienandrang. Die Verhandlungsauftakt verzögerte sich um eine halbe Stunde, weil Herisch A. einen Zusammenbruch hatte und ärztlich behandelt wurde.

Geld beim Spiel verloren

Der Angeklagte leitete seine Aussage mit einer Entschuldigung ein: "Es war ein großer Fehler von mir, aber ich habe es nicht gemerkt." Am 13. Jänner habe er Geld beim Spielen verloren. Auf dem Gehsteig vor dem Münchner Hauptbahnhof sei er aus dem Auto heraus mehrmals von Moshammer, der sich als Franzose ausgegeben habe, angesprochen worden.

Streit um sexuelle Dienste

In Moshammers Haus hätten sie sich einen Pornofilm angeschaut, sagte Herisch A. Der Modekaufmann habe nach ersten sexuellen Handlungen von ihm weiter gehenden Verkehr gefordert. Das habe er abgelehnt. Moshammer sei "sehr, sehr sauer" geworden, habe ihn beschimpft, geschlagen und hinauswerfen wollen. Herisch A. sagte, er habe zurückgeschlagen, danach sei ihm schwindelig geworden. Er sei betrunken gewesen.

Laut Anklage forderte He^risch A. 2000 Euro von Moshammer, der die Zahlung verweigerte. Eine kurze handgreifliche Auseinandersetzung mit dem 64-Jährigen sei gefolgt, bis ihn der Angeklagte plötzlich mit einem Stromkabel erdrosselt habe.

Mord oder Totschlag

Ob es sich bei der Tat um Mord oder Totschlag handelt, muss das Gericht klären. Bei Mord droht lebenslange Haft, bei Totschlag fünf bis maximal 15 Jahre Freiheitsstrafe. Der Prozess ist auf zehn Tage angesetzt. 42 Zeugen und fünf Sachverständige will die Kammer hören. Das Urteil soll vo^raussichtlich am 16. November fallen – dem 26. Geburtstag von Herisch A. (AP, DER STANDARD Printausgabe 3.11.2003)

  • Herisch A. erlitt im Gericht einen Schwächeanfall - Kurzzeitig musste er mit dem Gerichtsarzt und seinen Anwälten den Saal verlassen.

    Herisch A. erlitt im Gericht einen Schwächeanfall - Kurzzeitig musste er mit dem Gerichtsarzt und seinen Anwälten den Saal verlassen.

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