Sansibar: Unruhen nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses

14. Dezember 2005, 05:55
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Laut Opposition neun Tote - Präsident Karume knapp im Amt bestätigt - Widersacher Hamad kündigt Massenproteste an

Sansibar - Zwei Tage nach der von Gewalt überschatteten Parlaments- und Präsidentenwahl in Sansibar ist die Regierungspartei CCM am Dienstag offiziell zum Sieger erklärt worden. Anschließend kam es in der zu Tansania gehörenden halbautonomen Inselregion erneut zu Unruhen, bei denen nach Angaben der Opposition neun Menschen getötet wurden. Präsident Amani Abeid Karume wurde nach Angaben der Wahlkommission mit 53,2 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Bei der Parlamentswahl kam die CCM auf 27 Mandate und die oppositionelle CUF auf 19.

Wie der Leiter der Wahlkommission, Massauni Yussuf Massauni, erklärte, erhielt der Oppositionskandidat für das Präsidentenamt, Seif Shariff Hamad, 46,1 Prozent der Stimmen. Es war seine dritte knappe Niederlage in Folge. Hamad sagte vor tausenden Anhängern, er akzeptiere das Ergebnis nicht, und rief zu Massenprotesten auf. Wenige Stunden zuvor hatte die CUF in einer Stellungnahme erklärt, Hamad habe 50,63 Prozent der Stimmen erzielt und damit knapp gewonnen.

Blutige Zusammenstößte auf Pemba

Wie Hamad mitteilte, kam es auf der zweiten zu Sansibar gehörenden Insel Pemba zu blutigen Zusammenstößen. Fünf Oppositionsanhänger und vier Polizisten seien getötet worden. Nähere Einzelheiten nannte er zunächst nicht. Hamads CUF trat im Wahlkampf für Privatisierung und umfassende Wirtschaftsreformen ein.

Tausende CCM-Anhänger feierten unterdessen in den Straßen der Hauptstadt Sansibar den Wahlsieg ihrer Partei. Viele von ihnen waren in den Parteifarben Grün und Gold bekleidet. "Wir haben jetzt die Wahl gewonnen und sollten uns vorwärts bewegen", sagte der stellvertretende CCM-Generalsekretär Saleh Ramadhan Ferouz.

Tränengas und Wasserwerfer

Kurz vor der Bekanntgabe der Ergebnisse hatten Polizisten und Soldaten zwei von der CUF genutzte Gebäude umstellt, darunter die Parteizentrale. Der Zutritt wurde ihnen von mehreren Tausend Oppositionsanhängern versperrt. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Das Gebiet wurde abgeriegelt. (APA/AP)

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    1. November 2005: Polizisten feuern Tränengas auf Demonstranten.

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