Fed hebt Leitzinsen auf 4,0 Prozent an

7. November 2005, 14:22
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Zwölfte Leitzinserhöhung der US-Notenbank in Folge - Fortsetzung der Politik moderater Zinserhöhungen signalisiert

Washington - Steigende Verbraucherpreise und Inflationssorgen haben die amerikanische Notenbank (Fed) zur zwölften Leitzinserhöhung in Folge getrieben. Der Offenmarktausschuss erhöhte den Satz für Tagesgeld am Dienstag in Washington von 3,75 Prozent auf 4,0 Prozent und signalisierte weitere Schritte. In der stets mit Spannung erwarteten Erklärung hieß es, die Zinsen könnten "in angemessenen Schritten" weiter erhöht werden.

Die Notenbank rechnet durch die verheerenden Hurrikans der vergangenen drei Monate vorübergehend mit einer Konjunkturdelle, die durch den Wiederaufbau an der US-Südküste aber wahrscheinlich wieder wett gemacht werde. Das derzeitige Zinsniveau macht Investitionen nach Überzeugung der Notenbank weiter attraktiv. Die Wirtschaft wächst für europäische Verhältnisse robust, nach jüngster Schätzung und auf hoch gerechneter Jahresrate mit 3,8 Prozent im dritten Quartal.

"Der kumulative Anstieg der Energie- und anderer Kosten haben das Potenzial, den Inflationsdruck zu erhöhen", warnte die Fed in ihrer Erklärung, wiegelte aber gleichzeitig ab, dass der Anstieg der Verbraucherpreise ohne den Energiebereich relativ gering ist. Sie gehe deshalb davon aus, dass die Inflation auch langfristig unter Kontrolle ist.

Die US-Verbraucherpreise waren im September innerhalb eines Monats um 1,2 Prozent in die Höhe geschnellt, so stark wie seit 25 Jahren nicht mehr. Im Jahresvergleich zogen sie um 4,7 Prozent an. Auf hochgerechneter Jahresrate stiegen sie bis September um 5,1 Prozent, verglichen mit 3,3 Prozent zum gleichen Zeitpunkt des vergangenen Jahres.

Ausschlaggebend waren vor allem die hohen Energiepreise, unter anderem als Folge der Hurrikans "Katrina" und "Rita" im Golf von Mexico, die wochenlang einen Großteil der Förder- und Raffineriekapazität lahm gelegt hatten. Der für die Zinspolitik zuständige Offenmarktausschuss tagte zum drittletzten Mal unter Leitung von Notenbankchef Alan Greenspan. Der 79-Jährige geht Ende Januar nach 18 Jahren an der Spitze der mächtigsten Notenbank der Welt in den Ruhestand.

Sein designierter Nachfolger ist der angesehene Vorsitzende des Wirtschaftsrats im Weißen Haus, Princeton-Professor Ben Bernanke (51). Seine Bestätigung im Senat gilt als Formsache. Er soll am 1. Februar auf den Fed-Chefsessel rücken. Bernanke kündigte Kontinuität schon als höchste Priorität an. In Frankfurt tagt am Donnerstag die Europäische Zentralbank. Für viele Beobachter ist ein Anhebung der europäischen Leitzinsen von derzeit 2,0 Prozent nur eine Frage der Zeit. Allerdings erwarten US-Analysten diese Woche noch keine Änderung. (APA/dpa)

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