Große Koalition wankt

2. November 2005, 20:18
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Koalitionsgespräche werden vorerst fortgesetzt, doch die SPD versinkt im Chaos

Berlin - Nach dem angekündigten Rückzug von Franz Müntefering als SPD-Chef ist die angestrebte große Koalition unter der Führung einer Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Frage gestellt. Offen blieb Dienstag auch, ob Müntefering als Vizekanzler oder Minister einem Bundeskabinett angehören könnte.

Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber kündigte an, Ministerpräsident in Bayern bleiben zu wollen. Er will nicht Wirtschaftsminister in Berlin werden. Seinen Rückzug begründete er mit der "veränderten Statik" infolge des Müntefering-Rückzuges. Für das Amt des Wirtschaftsministers wurde nun der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Michael Glos, nominiert. CDU-Chefin Merkel zeigte sich in einer kurzen Erklärung am Abend trotz der SPD-Turbulenzen optimistisch, dass es zur Bildung einer Regierung von CDU/CSU mit der SPD kommen werde. In der Union wird aber bereits über eine mögliche Neuwahl diskutiert. "Es ist offen, ob es diese große Koalition gibt", sagte der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und CDU-Vizechef, Jürgen Rüttgers. Auch Fraktionsvize Wolfgang Bosbach äußerte Zweifel.

Heidemarie Wieczorek-Zeul kündigte ihren Rückzug vom Amt der stellvertretenden SPD-Chefin an. Die Parteilinke Andrea Nahles, die mit ihrem Antreten gegen Münteferings erklärten Favoriten Kajo Wasserhövel für das Amt des Generalsekretärin die Krise auslöste, war zuversichtlich, dass es eine Lösung der Krise geben werde. Die Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und Brandenburg, Kurt Beck und Matthias Platzeck, wollten noch am Dienstagabend klären, wer für das Amt des SPD-Vorsitzenden kandidieren wird. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 2.11.2005)

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    Edmund Stoiber, Angela Merkel, Franz Müntefering: Vor kurzem noch als zukünftige Köpfe einer großen Koalition gehandelt, doch nach Münteferings Rücktritt werden die Karten neu gemischt

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