Hintergrund: Auch Willy Brandt stolperte über eine Frau

3. November 2005, 11:13
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Rücktritt wegen einer Parteisprecherin

Schon einmal hat eine junge Frau den Sturz eines SPD-Chefs bewirkt: Margarita Mathiopoulos war jung, hübsch, kosmopolitisch erzogen und sozialdemokratisch geprägt. Der damalige SPD-Chef Willy Brandt engagierte die Politologin und Journalistin 1987 als Parteisprecherin. Aber dass sie weder ein SPD-Parteibuch noch die deutsche Staatsbürgerschaft besaß und ihr damaliger Verlobter Friedbert Pflüger zudem CDU-Mann war, war den Genossen zu viel.

Die Außenseiterin wurde nicht akzeptiert, Brandts Autorität war angeknackst, sogar enge Vertraute gingen auf Distanz. Brandt zog, tief verletzt, die Konsequenzen und trat nach 23 Jahren als Parteichef ab. Hinterher wollte es aber keiner gewesen sein, der zum Rückzug Brandts beigetragen hatte. In Briefen schoben sich die Spitzengenossen gegenseitig die Schuld zu. Bereits 1974 hatte Brandt seinen Rücktritt als Bundeskanzler bekannt gegeben, nachdem sein persönlicher Referent Günter Guillaume als Spitzel der DDR enttarnt worden war. Brandt sprach nach seinem Rücktritt als SPD-Chef, der einem politischen Erdbeben gleichkam, von einem "Aufstand des Spießertums" und beklagte sich über parteiinterne Intrigen, die intern unter dem Kürzel "BMW" für "Brandt muss weg" liefen.

Einer seiner Nachfolger als Parteichef, der ebenfalls zurückgetretene Björn Engholm, gestand einmal ein: "Ich brauche siebzig Prozent meiner Kraft für interne Probleme, das heißt für den innerparteilichen Streit." (red/DER STANDARD, Printausgabe, 2.11.2005)

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