Aktion gegen "braune Flecken"

2. November 2005, 18:22
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Weiterhin Proteste wegen Lambacher NS-Ehrenbürgerin

Lambach - Die Hoffnung des Lambacher Gemeinderates samt Bürgermeister Friedrich Ilk (ÖVP) scheint verfrüht gewesen zu sein: Mit der posthumen Aberkennung des Straßennamens für die Malerin und NS-Denunziantin Margarete von Pausinger (1880- 1956) und nach Monaten der Dauerkritik werden sie wohl nicht so schnell wieder ruhigeren Kommunalzeiten entgegensteuern. Denn mit einer österreichweiten Unterschriftenaktion und der Unterstützung von "zahlreichen Prominenten" will jetzt die Welser Initiative gegen Faschismus auch noch die Ehrenbürgerschaft von Margarete von Pausinger zu Fall bringen.

"Elegante" Wendung

Von Pausinger hatte nachweislich 1939 den Regimekritiker Friedrich Wingen denunziert. Wingen starb letztlich qualvoll im KZ Lublin. In einer Sondersitzung am 14. Oktober hatte der Gemeinderat entgegen einer ersten Abstimmung im Juli dieses Jahres dem medialen und politischen Druck wenn auch nur widerwillig nachgegeben und mit klarer Mehrheit die Straßenumbenennung beschlossen. Offen blieb dabei hingegen die Frage der Ehrenbürgerschaft für von Pausinger. Die Mandatare bauten auf die Gemeindeordnung, laut derer die Ehrenbürgerschaft mit dem Tod erlischt, und wollte so - ihrer Ansicht nach - elegant einer Abstimmung entgehen.

Damit bleibt für den Vorsitzenden der Antifa Wels allerdings ein großer Teil der ohnedies sehr schwierigen Geschichtsaufarbeitung in Lambach unerledigt. "Offenbar haben die allermeisten Mandatare noch immer nichts gelernt. Das NS-Opfer Wingen und seine Tochter Eva Caro sind ihnen keine klare Entscheidung wert, und die NS-Denunziantin bleibt Ehrenbürgerin", kritisiert Eiter das Vorgehen scharf.

"Mehr als fragwürdig"

Die vorgeschobene Rechtsmeinung sei - laut Eiter - überdies mehr als fragwürdig: "Erst vor einem Jahr hat der Gemeinderat von Haslach durch einstimmigen Beschluss die Ehrenbürgerschaft Adolf Hitlers aufgehoben. In Lambach war ein solcher Akt der demokratischen Hygiene leider nicht möglich." Man werde daher noch entschlossener gegen diese "braunen Flecken" vorgehen, kündigt Eiter im STANDARD-Gespräch an. VP-Gemeindeoberhaupt Ilk bleibt indes gewohnt wortkarg: "Für mich ist alles erledigt, daher sage ich dazu auch nichts mehr." (mro; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.11.2005)

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