Zur stillen Andacht im neuen Kraftwerk Gottes

2. November 2005, 18:22
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In Oberösterreich werden noch neue Kirchen gebaut - moderne Architektur und Niedrigenergiebauweise für Gotteshäuser

Die drei jüngsten Beispiele beweisen, wie auch bei Sakralbauten moderne Architektur mit zeitgemäßer ökologischer Bauweise verbunden werden kann.

Linz - Vorbei scheinen die Zeiten, in denen Gottes Schäfchen sonntäglich auf wenig gesäßfreundlichen Holzbänken ausharren mussten und im Winter des Pfarrers wärmende Worte nur wenig gegen die Minusgrade in den Kirchen ausrichten konnten. Moderne Architektur und Niedrigenergiebauweise haben auch vor Gottes Häusern nicht Halt gemacht.

"Wir sind das einzige Bundesland, in dem derzeit noch Kirchen gebaut werden. In ganz Österreich ist diese Entwicklung hingegen eher rückläufig, und es werden Kirchen, bedingt durch Ortsabsiedelungen, bereits verkauft, erläutert Wolfgang Schaffer, Leiter des Baureferats der Diözese Linz, im Gespräch mit dem STANDARD.

Die drei aktuellen Neubauten spielen alle Stücke moderner Passivhaustechnologie. Bereits im Dezember 2004 wurde das Projekt St. Franziskus in Wels (Architekten Luger und Maul) realisiert. Eine schwarz glänzende Glashaut mit integrierten Fotovoltaikelementen und eine Schalung aus Lärchenholz bilden die moderne Außenhülle des Kirchenbaus. Pellets-Heizung, Sonnenkollektoren, die sich mit dem Kreuz das Kirchendach teilen, und Zuluftwärmetauscher sind heute Usus.

Altarraum in Rot

Der Altarraum in der Pfarre St. Franziskus ist zur Gänze in Rot gehalten, das moderne Taufbecken wird von einem Brunnen gespeist. Gefeiert wird im Übrigen sozusagen unter freiem Himmel: ein rund vier Meter breiter und 13 Meter langer verglaster Einschnitt über die Westwand und das Dach öffnen den Raum nach außen.

Anfang Juni 2005 wurde auch mit dem Neubau des Seelsorgezentrums in der Solarcity im Linzer Süden begonnen. Nach den Plänen des Architektenbüros Pointner&Pointner Bis Mitte 2006 soll dort ein zweigeschoßiger Bau mit Gebetsraum, Meditationsraum und Hof sowie Jugendräumen und auch Wohnungen entstehen.

Der Solarschild

Ebenso wie alle anderen Bauten in der Sonnenstadt zeichnet sich das neue Gotteshaus durch besonders niedrige Energiekennwerte aus. Herzstück wird ein so genannter Solarschild sein, welcher in Zukunft vor allem die nächtliche Straßenbeleuchtung mit Strom versorgen soll.

Ein Brückenschlag zwischen Alt und Neu ist dem Architektenduo Bender und Fischer mit ihrem Kirchenprojekt in Gallspach (Hausruckviertel) gelungen. Teile der bestehenden, denkmalgeschützten Ortskirche sind fixer Bestandteil des Umbaus. Ausgehend vom alten Kirchturm, wird das göttliche Passivhaus ellipsenförmig das Ortsbild entscheidend prägen. (Markus Rohrhofer; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.11.2005)

  • Das markante äußere Erscheinungsbild der neuen Kirche St. Franziskus in Wels: eine schwarz glänzende Glashaut mit integrierten Fotovoltaikelementen.
    foto: luger/maul

    Das markante äußere Erscheinungsbild der neuen Kirche St. Franziskus in Wels: eine schwarz glänzende Glashaut mit integrierten Fotovoltaikelementen.

  • Im Inneren von St. Franziskus gestalteten die Architekten Luger und Maul den Altarraum zur Gänze in Rot. Ein Brunnen speist das moderne Taufbecken.
    foto: luger/maul

    Im Inneren von St. Franziskus gestalteten die Architekten Luger und Maul den Altarraum zur Gänze in Rot. Ein Brunnen speist das moderne Taufbecken.

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