Umfrage: Sympathische Rote, sportliche Grüne

4. November 2005, 16:43
45 Postings

Wählern der Oppositionsparteien werden besonders klar positive Eigenschaften zugeordnet - mit Infographik

Was sind das wohl für Menschen, die die SPÖ wählen? Und werden Grün-Wähler ähnlich eingeschätzt? Die market-Umfrage über die vermuteten Eigenschaften der Parteigänger zeigt deutlich verschiedene Images.

***

Linz - SPÖ-Wähler haben von ihresgleichen ein deutlicher ausgeprägtes positives Bild als das bei den ÖVP-Wählern der Fall ist. Das erklärt, warum SPÖ-Wähler in der allgemeinen Einschätzung als besonders sympathisch und erfolgreich gelten.

In der jüngsten market-Umfrage sind es vor allem die "weichen" Werte, die für die Wähler der jeweiligen Partei abgefragt wurden - und die damit Rückschlüsse darauf ermöglichen, wie das Image einer Partei insgesamt ist: "Wenn die Wählerschaft einer Partei von der Bevölkerung als wenig tolerant eingeschätzt wird, dann sagt das viel mehr aus als wenn einfach die gelernten Muster der politischen Kommunikation oder auch Diffamierung reproduziert werden", sagt market-Studienleiter David Pfarrhofer.

Mit der Toleranz scheint es allerdings nicht besonders weit her zu sein: Zwar traut ein Drittel der jeweils deklarierten Wähler einer Partei ihresgleichen zu, auch andere politische Meinungen zu akzeptieren - den Wählern anderer Parteien wird das aber eher nicht zugeschrieben. SPÖ-und ÖVP-Wähler werden von jedem fünften Befragten als relativ tolerant erlebt, Grünen-Wähler von jedem siebenten, Wähler des BZÖ und der FPÖ nur von jedem vierzehnten.

Umgekehrt: Die Aussage, dass die Anhänger einer Partei deren Vertretern alles glauben, wird besonders auf SPÖ-Wähler (übrigens in erhöhtem Maß auch von diesen selber) gemünzt, in anderen Parteien gilt die Bindung als wesentlich schwächer.

Während Wähler von ÖVP und SPÖ etwa im gleichen Maß von jedem vierten Befragten als in politischen Fragen kompetent gesehen werden, bröckelt diese Einschätzung für Grüne und erst recht für Orange und Blaue ab. Dafür stehen diese Parteien und ihre Wähler viel stärker für Veränderung - jeweils 26 Prozent vermuten in den Wählern der Großparteien den Wunsch, das Erreichte zu bewahren.

Das Image von Grün-Wählern ist längst nicht so von Kultur ("liest viel", "ist ein kulturell interessierter Mensch") geprägt wie das der ÖVP-Anhänger. "Dafür ist es den Grünen gelungen, nach 19 Jahren im Parlament immer noch als eine Partei mit junger, sportlich-dynamischer Wählerschaft erlebt zu werden", sagt Pfarrhofer.

Gesellige Genossen

Der SPÖ kommt stärker als den Grünen ihr soziales Engagement zugute, das auch ihren Wählern zugetraut wird: 23 Prozent nehmen an, dass sich Wähler der Sozialdemokratie für Schwächere einsetzen - und das, obwohl die Sozialdemokraten als nicht weniger erfolgreich gelten als ÖVP-Wähler. An der Spitze stehen sie mit der Einschätzung, sympathische, gesellige und moderne Menschen zu sein.

Diese Sympathiewerte sind für das politische Marketing besonders wichtig - noch dazu, wo die Sozialdemokraten als ähnlich familienorientiert gelten wie ÖVP-Wähler, denen das traditionell zugeordnet wurde. (DER STANDARD, Printausgabe, 2.11.2005)

von Conrad Seidl

Nachlese
Umfrage: Konservative Einschätzung konservativer Wähler
ÖVP-Wähler gelten als gebildet, erfolgreich und politisch interessiert - FPÖ und BZÖ-Wähler als unglücklich
  • Artikelbild
    graphik: standard
Share if you care.