Telefónica bietet 26 Mrd. Euro für O2 - Bieterkampf möglich

2. November 2005, 10:27
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Telekomriese hatte in dem Konsortium Quam mit Sonera bereits einmal versucht, in deutschen Mobilfunkmarkt einzusteigen

Die spanische Telefónica will für 26 Mrd. Euro den britischen Mobilfunkbetreiber O2 übernehmen. Die Marke O2 soll erhalten bleiben. Telefónica prescht damit auch im zweiten Versuch auf den deutschen Mobilfunkmarkt vor. O2 Deutschland hat 8,5 Millionen Kunden. Der Druck auf die deutschen Wettbewerber dürfte steigen. Der O2-Aufsichtsrat rief die Aktionäre bereits auf, das Angebot anzunehmen. Allerdings verlautete am Dienstag aus Branchenkreisen, das Unternehmen könnte auch offen für Gegenangebote von Konkurrenten wie die Deutsche Telekom oder France Télécom sein.

Angebot

Telefónica bietet je O2-Aktie 200 Pence oder insgesamt 17,7 Mrd. Pfund in bar, teilten die Unternehmen am Montag mit. Zusammen kommen Telefónica und O2 auf 116 Millionen Mobilfunkkunden in Europa und Südamerika. Der spanische Konzern würde damit die Deutsche Telekom als zweitgrößten Mobilfunkanbieter Europas hinter Marktführer Vodafone ablösen, der 165 Millionen Kunden unter Vertrag hat. O2 gilt mit einem Kundenbestand von 24,6 Millionen als zu klein, um auf dem europäischen Mobilfunkmarkt alleine bestehen zu können.

Die Bar-Offerte anstelle eines Aktientauschs könnte nach Einschätzung in der Branche einen Bieterkrieg um O2 verhindern, da potenzielle Rivalen wie die Telekom sich für ein Gegenangebot sehr hoch verschulden müssten. So würde der Schuldenstand der Telekom bei einem Erwerb von O2 auf über 70 Mrd. Euro steigen. Jedoch stünden die Telekom und France Télécom nun unter "Zugzwang" und könnten daher mehr als die Spanier bieten, hieß es in den Branchenkreisen. Sie könnten neben einem Baranteil auch eigene Aktien anbieten und damit einen drastischen Anstieg der Verschuldung vermeiden.

Konkurrenz

Nach Angaben von O2 führt das Unternehmen derzeit keine Gespräche mit anderen Parteien über ein mögliches Konkurrenzangebot. Auszuschließen sei dies für die Zukunft aber nicht, da O2 jedes Angebot prüfen müsse, sagte ein Sprecher in London. Nach Vorlage der formalen Telefónica-Offerte, die für Mitte November erwartet wird, können Bieter in den folgenden drei Wochen neue Angebote unterbreiten. Die Telekom prüft nach Angaben aus dem Konzern nahen Kreisen, ob das Bonner Unternehmen in einen Bieterwettstreit mit Telefónica eintreten soll. Eine Entscheidung gebe es bisher nicht, hieß es. Ein Telekom-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Telefónica teilte mit, der Kauf solle bis Jänner 2006 unter Dach und Fach sein und werde ab dem ersten Jahr zum Gewinn beitragen. Von 2008 an werde ein positiver Einfluss von 293 Millionen Euro erwartet, der unter anderem durch den gemeinsamen Einkauf von Infrastruktur und Handys erreicht werden soll. Der Schuldenstand von zuletzt 28 Mrd. Euro wird sich allerdings durch den Erwerb fast verdoppeln. Die Telefónica-Aktien verloren nach der Bekanntgabe der Offerte an der Madrider Börse 2,28 Prozent.

Vorgeschichte

Telefónica hatte in dem Konsortium Quam mit der finnischen Sonera bereits einmal versucht, in den deutschen Mobilfunkmarkt einzusteigen. Es wurden jedoch nur 200 000 Kunden geworben. Im November 2002 gab Quam auf und ließ die für 7,5 Mrd. Euro ersteigerte UMTS-Lizenz verfallen. O2 Deutschland begrüßte die Übernahme. Das Wachstum des Unternehmens werde sich dadurch beschleunigen, sagte ein Firmensprecher.

Die finanzstarken Spanier können den deutschen Markt kräftig aufmischen. Vor allem der nächstplatzierte Konkurrent E-Plus mit 9,8 Millionen Mobilfunk-Kunden muss sich Sorgen machen. Die Marktführer T-Mobile und Vodafone sind mit rund 28,5 Millionen Kunden noch weit entfernt. Allerdings könnte Telefónica sich auch verstärkt in den lukrativen DSL-Markt einmischen.

O2, das aus einer Abspaltung von der BT Group (früher British Telecom) entstand, ist neben Großbritannien in Deutschland und Irland aktiv. Um den Konzern rankten sich seit Monaten Übernahmegerüchte. So prüften bereits die Deutsche Telekom und KPN einen Erwerb des Unternehmens, nahmen davon aber wieder Abstand. (APA)

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