Software-Panne legt Börse in Tokio stundenlang lahm

8. November 2005, 13:52
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Schwerste Störung in Börsengeschichte - Nikkei auf Rekordhoch - Panne könnte den Börsengang weiter verzögern

Tokio - Eine Software-Panne hat eine der wichtigsten Börsen der Welt - jene in Tokio - stundenlang lahm gelegt. Der Aktienhandel war am Dienstag für viereinhalb Stunden unterbrochen. Trotz der schwersten Störung in der fast 60-jährigen Geschichte der Börse schloss der Aktienindex Nikkei mit 13.867,86 Punkten auf dem höchsten Stand seit Mai 2001.

Grund dafür waren die positive Reaktion der Anleger auf die Regierungsumbildung in Japan und der optimistische Wirtschaftsausblick der japanischen Zentralbank. Die Tokioter Börse zählt zu den Leitbörsen der Welt und ist die größte in Asien. Auch die an das System angeschlossenen Börsen von Fukuoka und Sapporo waren betroffen.

Ungünstiger Zeitpunkt

Der Crash kam zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Der Dienstagshandel war wegen der Regierungsumbildung und des Notenbankberichts mit Spannung erwartet worden. Zur Börsenöffnung um 9.00 Uhr ging aber nichts mehr. Erst im Nachmittagshandel um 13.30 Uhr funktionierte das System wieder. Die Aktienhändler nutzten die verbliebenen 90 Minuten Parketthandel dann mit aller Kraft: Der Nikkei-Index der 225 Spitzenwerte der japanischen Wirtschaft lag bei Börsenschluss 1,92 Prozent über dem Vortagsstand.

Für den Börsenbetreiber Tokyo Stock Exchange Inc. (TSE) ist der Ausfall mehr als peinlich. Die TSE will selbst an die Börse gehen. Die Panne könnte den schon einmal verschobenen Börsengang weiter verzögern. Für den Ausfall machte TSE-Chef Tomio Amano einen Fehler in einer erst im Oktober installierten Software verantwortlich. Er behielt sich Schadenersatzforderungen gegen die Herstellerfirma Fujitsu vor. Die Aktie des japanischen Eletronikriesen konnte daher nicht von dem Boom profitieren, sondern verlor 1,57 Prozent.

Der erst am Montag ernannte japanische Wirtschafts- und Finanzminister Kaoru Yosano nutzte die Chance für einen öffentlichkeitswirksamen Auftritt: "Ich verlange von der Börse, dass sie die Ursachen für dieses Durcheinander herausfindet und sicherstellt, dass so etwas nie wiedervorkommt", sagte er vor Journalisten. Die japanische Finanzaufsicht setzte der TSE eine Frist bis 15. November, um den Vorfall zu erklären und Schutzmaßnahmen vorzuschlagen. (APA)

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