Präsident Karume gewinnt Wahlen auf Sansibar

1. November 2005, 21:47
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Urnengang von heftigen Ausschreitungen begleitet

Sansibar - Bei den Wahlen auf Sansibar ist Präsident Amani Abeid Karume nach offiziellen Angaben im Amt bestätigt worden. Karumes regierende Partei der Revolution (CCM) liege mit knapp 240.000 Stimmen vor der größten Oppositionspartei, auf die rund 208.000 Stimmen entfallen seien, teilte die Wahlkommission am Dienstag mit. Damit könne Karume eine zweite Amtszeit antreten.

Zuvor hatte die oppositionelle Vereinigte Bürgerfront (CUF) den Wahlsieg in der halbautonomen, zu Tansania gehörenden Inselgruppe für sich beansprucht. Die kombinierten Parlaments- und Präsidentenwahlen waren von heftigen Ausschreitungen begleitet worden. Nach Angaben der Opposition töteten Sicherheitskräfte fünf ihrer Anhänger auf der Insel Pemba.

Jubelnde Anhänger

Nach Verkündung des amtlichen Ergebnisses füllten sich die Straßen im Zentrum der Hauptinsel Sansibar mit jubelnden CCM-Anhängern. Sie waren in den Farben der Partei - grün und gelb - gekleidet, schwenkten Fahnen, tanzten und sangen.

Am Vortag waren Polizisten mit Tränengas, Wasser und Schlagstöcken gegen Oppositionsanhänger vorgegangen, die ihren angeblichen Wahlsieg feierten. CUF-Chef und Präsidentschaftskandidat Sharif Hamad hatte vor einem Wahlbetrug der Regierung gewarnt. Rund 80.000 der 500.000 registrierten Wähler hätten ihre Stimmen nicht ordnungsgemäß abgeben können. Es seien Wahllisten manipuliert worden, zudem hätten Stimmzettel gefehlt. Die Wahlkommission hingegen erklärte, es habe keine gravierenden Probleme gegeben. "Natürlich waren die Wahlen frei und fair", erklärte der Vorsitzende.

Die CUF setzt sich für demokratische Reformen und Privatisierungen ein. Die regierende CCM hingegen wirft ihr eine pro-arabische Haltung und Bestrebungen zur Abspaltung Sansibars von Tansania vor. Politische Beobachter halten dies jedoch für unwahrscheinlich. Die CUF bestreitet solche Vorhaben.

Die CCM regiert Sansibar und die dazugehörigen Nebeninseln seit einer anti-arabischen Revolution im Jahr 1964. Die Partei sozialistischen Ursprungs bezeichnet sich als Stabilisator und Friedensgarant. In der jüngsten Vergangenheit kam es wiederholt nach Wahlen auf Sansibar zu Ausschreitungen. Bei Protesten nach einer Abstimmung im Jahr 2000 kamen rund 35 Menschen ums Leben. (APA/Reuters)

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