Britischer Rat der Muslime stellt Anti-Terror-Gesetze in Frage

8. November 2005, 17:34
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Entfremdung der moslemischen Bevölkerung befürchtet

London - Ein führendes Mitglied im Rat der Muslime Großbritanniens hat vor einer zu scharfen Anti-Terror-Gesetzgebung gewarnt. Diese könnte zur Entfremdung der moslemischen Briten führen und deren Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den Staatsorganen bei der Terrorbekämpfung schwächen, erklärte Abdurahman Jafar am Montag vor dem Londoner Unterhausausschuss für Menschenrechte. Er zeigte sich besorgt über den vorliegenden Gesetzesentwurf, der nach den Anschlägen auf den Londoner Nahverkehr im Juli erstellt wurde.

Drei Monate Haft ohne Anklage

Laut der Vorlage soll es künftig möglich sein, Terror-Verdächtige ohne Anklage bis zu drei Monate zu inhaftieren. Ferner soll jegliche Glorifizierung von Terror zur Straftat erklärt werden. Jafar warnte, dass sich solche Regelungen als "schrecklich kontraproduktiv" erweisen könnten. Vor allem die Unsicherheit, was als Glorifizierung zu werten sei, werde viele Kontroversen und Ängste unter den Moslems auslösen. Seit den Bombenanschlägen auf die U-Bahn-Züge sei eine Kooperation der moslemischen Bevölkerung mit der restlichen Gesellschaft Großbritanniens jedoch unabdingbar.

Bei den Anschlägen am 7. Juli kamen 52 Pendler sowie die vier Attentäter ums Leben. Zwei Wochen später schlug eine ähnliche Anschlagsserie fehl. Für die Opfer vom 7. Juli war für Dienstag eine Trauerfeier in der Londoner St.-Pauls-Kathedrale geplant. (APA/AP)

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