Damaskus wünscht sich Sondergipfel der Arabischen Liga

3. November 2005, 13:22
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Wegen UNO-Resolution zum Mordfall Hariri - London und Washington empört über "bizarren Unterstellungen"

Damaskus/New York - Als Reaktion auf den wachsenden Druck von Seiten des UNO-Sicherheitsrats hat Syrien um einen Sondergipfel der Arabischen Liga gebeten. Arabische Diplomaten schlugen nach Verlautbarungen aus Kairo jedoch ein Treffen in kleinerem Kreise vor.

Der Sicherheitsrat hatte am Montag eine Resolution verabschiedet, die Syrien zur vollen Kooperation mit den UNO-Ermittlungen im Mordfall des früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri auffordert. In der Debatte löste der syrische Außenminister Farouk al-Sharaa einen Eklat aus.

Sharaa bezog sich auf den Vorwurf des UNO-Chefermittlers und Berliner Oberstaatsanwalts Detlev Mehlis, wonach ranghohe syrische Geheimdienstbeamte über den Mordplan informiert waren. Der syrische Außenminister entgegnete, genauso könne man behaupten, dass der US-Geheimdienst im Voraus von den Terroranschlägen am 11. September 2001 gewusst habe, der spanische Geheimdienst von den Madrider Anschlägen am 11. März 2004 oder der britische Geheimdienst von den Anschlägen auf die Londoner U-Bahn im Juli dieses Jahres.

London und Washington empört über "bizarren Unterstellungen"

Diese Äußerung sorgte für Entrüstung unter den Angesprochenen. Der britische Außenminister Jack Straw sprach von einem "höchst grotesken und unsensiblen Vergleich", der schlicht "empörend und absurd" sei. US-Außenministerin Condoleezza Rice bezeichnete die Aussage Shaaras als "eine Tirade mit äußerst bizarren Unterstellungen". Syrien wolle damit selbst nach dem einstimmigen Sicherheitsratsvotum zu Gunsten der Resolution die Ermittlungen im Mordfall Hariri untergraben.

Nach Verlautbarungen aus Kairo will der Generalsekretär der Arabischen Liga einen Sondergesandten in die Golfstaaten schicken, um den Wunsch Syriens nach einem Gipfeltreffen zu erörtern. Beobachtern zufolge könnten einige Mitgliedsstaaten der Liga einen solchen Gipfel ablehnen, da sie ihre Kontakte zu den USA, Großbritannien und Frankreich - den Verfassern der Syrien-Resolution - nicht gefährden wollten. Deshalb erscheine ein kleineres Treffen zwischen Syrien, Saudiarabien, Algerien, dem Libanon und Ägypten als die wahrscheinlichere Alternative. (APA/AP)

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