Alarmierende Umweltschäden an Afrikas Seen

3. November 2005, 08:23
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Drohende Wasserknappheit könnte zu Konflikten führen

Nairobi - Die Wasservorräte in den afrikanischen Seen sind nach Angaben des UN-Umweltprogramms (UNEP) in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Satellitenbilder und weitere Messungen hätten in nahezu allen der 677 natürlichen und künstlichen Binnengewässer des Kontinents teils dramatische Umweltschäden gezeigt, teilten Experten der UNEP und der Universität von Oregon am Montag bei der Vorstellung des "Atlasses der afrikanischen Seen" in der kenianischen Hauptstadt Nairobi mit.

Dem Atlas zufolge sank der Wasserspiegel im Victoria-See, dem größten Süßwassersee Afrikas, seit Anfang der neunziger Jahre um einen Meter. Die Satellitenbilder zeigen zudem das zum Teil durch Salzabbau verursachte Schrumpfen des Songor-Sees in Ghana, den fast 90-prozentigen Schwund des westafrikanischen Tschad-Sees und das großflächige Abholzen der Wälder um den Nakuru-See in Kenia.

Das Sambesi-Flusssystem wurde laut UNEP durch exzessiven Dammbau nachhaltig verändert. Als weitere Ursachen für die Schäden nennen die Experten die Eindämmung von Flussläufen, Industrieverschmutzung und den Klimawandel. Wenn der Entwicklung nicht Einhalt geboten werde, drohe dem gesamten Kontinent Instabilität, sagte UNEP-Chef Klaus Töpfer.

Ein ebenfalls am Montag veröffentlichter Bericht hob die bedrohliche Lage am westafrikanischen Volta-Stausee hervor, der die Staaten Benin, Burkina Faso, Ghana, Elfenbeinküste, Mali und Togo mit Wasser versorgt. Die Autoren mahnten den Abschluss zwischenstaatlicher Abkommen über die Wassernutzung ein. Der Rückgang der Wasserressourcen bedroht nach Ansicht der Experten nicht nur die Bewässerung von Ackerland, sondern wirkt sich auch auf den Fischbestand aus, für viele Afrikaner eine wichtige Nahrungsquelle. In Nairobi findet derzeit die elfte Welt-Seen-Konferenz statt. (APA/AFP)

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