Die Wespe als Drogenfahnderin

5. November 2005, 12:00
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Forscher entwickeln "Wasp Hound": Detektor-Prototyp enthält lebende Insekten

Tifton/Georgia - Harte Zeiten werden auf Drogen- und Sprengstoffschmuggler zukommen, denn Forscher der University of Georgia (UGA) haben einen Detektor entwickelt, der 100-prozentig wirken soll: Wespen können mit ihrem Geruchssinn selbst geringste Spuren von chemischen Substanzen riechen. Die Forscher um Glen Rains haben nun einen Prototyp des Detektors entwickelt, den sie "Wasp Hound" nennen, berichtet das Magazin "National Geographic".

Die Konstruktion

"Wasp Hound" besteht aus einem PVC-Rohr mit Miniaturkamera, Ventilator und einer Lufteinlassöffnung. Im Gerät sind mehrere Wespen der Spezies Microplitis croceipes untergebracht. Diese Tiere, die Menschen nicht stechen und kaum größer sind als fliegende Ameisen, leben als Parasiten und legen ihre Eier in Kornbohrer-Raupen.

Mit-Entwickler des Projekts war der Insekten-Experte Joe Lewis vom US-Department of Agriculture. Lewis hatte bereits in den 70-er Jahren entdeckt, dass die Wespen durch den Kot der Raupen angelockt werden. Die Insekten können verschiedene Gerüche mit Nahrungsmitteln oder mit den Raupen assoziieren. Lewis ist es gelungen, die Tiere zu trainieren. "Dass Säugetiere in der Lage sind, diese Leistungen zu vollbringen, war bekannt, aber bei Insekten war das doch etwas Neues", so Lewis.

Die Ergebnisse von Lewis haben den Wissenschaftler Jerry Bromenshenk von der University of Montana dazu ermutigt, sich dem Projekt anzuschließen. Bromenshenk hat ähnliche Untersuchungen nämlich mit Honigbienen zum Aufspüren von Landminen gemacht. "Allerdings können wir solche Versuche mit Honigbienen in geschlossenen Räumen nicht durchführen", erklärt der Forscher.

Funktionsweise

Das System des Detektors funktioniert einfach: Wenn die Wespen auch nur Spuren der Chemikalien, auf die sie zuvor konditioniert wurden, riechen, verändern sie ihr Verhalten und werden unruhig. Je stärker sie den Geruch wahrnehmen, desto heftiger reagieren sie. Die Minikamera zeichnet ihre Bewegungen auf, sendet die Bilder an den Computer, der innerhalb von 30 Sekunden den Alarm auslöst.

Nach Angaben von Rains sind die Wespen 48 Stunden lang einsatzbereit. "wenn sie ihre Schicht erledigt haben, lassen wir sie frei", so der Wissenschaftler. Bisher wurde der "Wasp Hound" allerdings nur unter Laborbedingungen getestet. Unbekannt ist, wie die Tiere auf veränderte Umweltbedingungen wie kaltes Wetter, Feuchtigkeit oder unter Staubbelastung reagieren. Die Forscher schätzen, dass bis zur Marktreife noch fünf bis zehn Jahre vergehen werden.(pte)

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