Hintergrund: Franz Müntefering - Vom Jungsozialisten zum designierten Vizekanzler

3. November 2005, 11:11
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Rückzug vom SPD-Vorsitz könnte das Ende einer langen Karriere markieren

Hamburg - Die überraschende Rücktrittsankündigung des deutschen SPD-Parteichefs Franz Müntefering markiert das Ende einer langen Karriere. Stationen auf dem Weg des heute 65-Jährigen:

  • Juni 1975: Müntefering wird erstmals Mitglied des Deutschen Bundestags. Er gehört ihm durchgängig bis 1992 an. 1998 erhält er erneut ein Mandat.

  • 1991: Wahl zu einem der Parlamentarischen SPD-Geschäftsführer. Außerdem wird in den Parteivorstand gewählt.

  • Juni 1992: Mit 97,3 Prozent der Stimmen wird der Politiker an die Spitze des SPD-Bezirks Westliches Westfalen gewählt.

  • Dezember 1992: Als Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales wechselt Müntefering in die nordrhein-westfälische Landesregierung. Bei der Landtagswahl 1995 wird diese bestätigt, er bleibt im Amt.

  • 1995: Müntefering wird SPD-Bundesgeschäftsführer. Er behält sein Landtagsmandat in Nordrhein-Westfalen und bleibt SPD-Bezirkschef.

  • 1998: Im Bundestagswahlkampf gehört er zum Kernteam um den SPD-Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder.

  • Oktober 1998: Im ersten rot-grünen Bundeskabinett Schröder wird er Verkehrsminister, hat aber wegen Etatlücken wenig Spielraum.

  • September 1999: Das SPD-Präsidium bestimmt Müntefering für das neu geschaffene Amt des Generalsekretärs. Im Dezember wird er mit 94,6 Prozent der Stimmen gewählt. Seinen Ministerposten gibt er ab.

  • September 2001: Nach einer Bundestagsabstimmung über die Beteiligung der Bundeswehr am Mazedonien-Einsatz übt Müntefering Druck auf die 19 Nein-Sager aus der SPD aus. Es hagelt Kritik.

  • November 2001: Müntefering wird als Generalsekretär bestätigt.

  • September 2002: Nach dem Sieg von Rot-Grün bei der Bundestagswahl wählt die SPD-Fraktion ihn zu ihrem Vorsitzenden.

  • März 2004: Nach Wahlniederlagen und innerparteilicher Kritik gibt Kanzler Schröder sein Amt als SPD-Parteichef an Müntefering ab.

  • April 2005: Müntefering stößt mit scharfer Kritik am Kapitalismus und überzogenen Managergehältern eine Debatte an. Sein Vergleich von Finanzinvestoren mit "Heuschrecken" erregt Aufsehen.

  • Mai 2005: Unmittelbar nach der schweren SPD-Wahlniederlage bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen kündigt er nach Absprache mit Schröder eine vorgezogene Bundestagswahl an.

  • Juli 2005: Bei der absichtlich verlorenen Vertrauensfrage des Kanzlers Schröder im Bundestags folgt nur ein Teil der SPD-Abgeordneten Münteferings Empfehlung, sich der Stimme zu enthalten.

  • September 2005: Zwei Tage nach der vorgezogenen Bundestagswahl wird Müntefering als Fraktionsvorsitzender bestätigt.

  • Oktober 2005: Im Rahmen der Koalitionsverhandlungen stellt Müntefering die SPD-Minister für eine schwarz-rote Regierung vor. Er selbst soll Vizekanzler und Minister für Arbeit und Soziales werden. Als künftigen Generalsekretär schlägt er Kajo Wasserhövel vor.

  • 31. Oktober: Wasserhövel fällt im SPD-Vorstand klar durch. Müntefering kündigt daraufhin seinen Rückzug als SPD-Chef an. (dpa)
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