Bauern fordern Biogas für Autos - mit entsprechenden Subventionen

7. November 2005, 14:34
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Landwirte widersprechen Energie-Regulator, wonach Biogas-Einspeisung ins Gasnetz zu einer Subventionsexplosion führen würde

Wien - Die heimischen Bauern machen Stimmung für den verstärkten Einsatz von Biogas aus heimischer Landwirtschaft in Kraftfahrzeugen. Erst vor einem Monat wurde in Österreich Diesel mit einem fünfprozentigen Rapszusatz eingeführt.

Laut Umweltbundesamt könnten beim Einsatz der gesamten Biogasmenge für den Verkehrsbereich etwa 27 Prozent des Kraftstoffverbrauches ersetzt werden. Damit könnte man die Treibhausgasemissionen pro Fahrzeug bis zu 75 Prozent reduzieren, hieß es am Montag in einer Aussendung des Agrarischen Informationszentrums (AIZ).

"Attraktiver Einspeisebedingungen"

Dies würde aber eine Subventionierung durch den Steuerzahler voraussetzen. Dazu gehören "attraktiver Einspeisebedingungen in das Erdgasnetz" und die "langfristige Sicherstellung einer steuerlichen Begünstigung gegenüber herkömmlichen Kraftstoffen", fordern Energieexperten der Landwirtschaftskammer.

Erst vor wenigen Tagen hatte allerdings der Chef des staatlichen Energie-Regulators, Walter Boltz, vor explodierenden Kosten bei der Einspeisung von Biogas ins Gasnetz gewarnt.

"Würde man etwa ein Prozent des Erdgasabsatzes durch Biogas substituieren, wäre ein Förderbedarf von rund 50 bis 80 Mio. Euro pro Jahr vergeben. Umgelegt auf die Netzkosten entspricht dies einer Erhöhung von 11 bis 18 Prozent", so E-Control-Chef Boltz vergangene Woche.

"Fehleinschätzungen der E-Control"

Die E-Control-Zahlen zweifelt wiederum der Biomasse-Verband an. "Die von der E-Control veröffentlichten Studien zum Biogas-Potenzial in Österreich weisen eine Reihe von Fehleinschätzungen auf", so der heimischen Agrarorganisationen nahe stehende Verband.

Und weiter: "Das Umweltbundesamt geht in seiner jüngsten Potenzialabschätzung von rund 2,47 Milliarden Kubikmeter Biogas (Rohgas) pro Jahr aus, das entspricht einer Energiemenge von etwa 15 Milliarden Kilowattstunden", so Josef Plank, Biogas-Experte des Verbands.

Bei einem österreichischen Erdgasverbrauch von nicht ganz 100 Milliarden Kilowattstunden im Jahr 2004 wären das theoretisch 15 Prozent und nicht, wie behauptet, maximal 1,7 Prozent. Boltz wiederum hatte bei der Präsentation seiner Zahlen die Zuverlässigkeit des Zahlenwerkes aus der Landwirtschaft angezweifelt.

Preissteigerungen

Seit Einführung des Rapszusatzes mit 1. Oktober 2005 sind die Dieselpreise an den Zapfsäulen um drei Cent je Liter gestiegen, der Benzinpreis hingegen um sieben Cent gesunken.

Mineralölfirmen führen dies auf die Weltmarktentwicklung zurück, die Autofahrerklubs warnen hingegen vor versteckten Preiserhöhungen. Laut Mineralölkonzernen verursacht der Zusatz von Raps bis zu zwei Cent Mehrkosten pro Liter. Diese würden aber nicht an die Kunden weitergegeben. (APA)

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