Kosovarischer Verhandler: Belgrad kann über Status nicht entscheiden

4. November 2005, 11:34
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Bestimmungsrecht durch "Völkermord"-Versuch Milosevic verwirkt - Mit UNO Gespräche über Status, mit Serbien nur über Minderheit

Belgrad - Belgrad habe das historische Recht verloren, über den künftigen völkerrechtlichen Status des Kosovo zu entscheiden. Serbien stehe allerdings das Recht zu, für die Interessen der serbischen Minderheit im Kosovo Sorge zu tragen. Diesen Standpunkt vertritt Veton Surroi, Mitglied der Delegation, die im Namen Pristinas über den künftigen Status der derzeit von der UNO verwalteten Provinz verhandeln wird.

"Bestandteil Serbiens"

"Das Kosovo ist nicht einmal mehr formell ein Bestandteil Serbiens", sagte der Führer der kosovarischen Oppositionspartei Ora dem Sender B-92 am Montag mit dem Hinweis auf die UNO-Resolution Nummer 1244 vom Juni 1999. Seit Ende des Kosovo-Krieges (1998/99) wird das Kosovo von den Beamten der UNO-Mission UNMIK verwaltet. Formell gehört das Kosovo zum Staatenbund Serbien-Montenegro. Belgrad betrachtet es in seiner Verfassung allerdings als Bestandteil der Teilrepublik Serbien.

Status mit UNO verhandeln

Surroi zufolge verlor Belgrad sein Recht auf das Kosovo durch den Versuch des Regimes des ehemaligen jugoslawischen Staatschef Slobodan Milosevic im Frühjahr 1999, in dem Gebiet einen "Völkermord" an der dortigen albanischen Mehrheitsbevölkerung zu begehen. Die Frage des Status des Kosovo wird laut Surroi daher mit der UNO ausgehandelt werden.

So werde darüber verhandelt, was die Staatengemeinschaft als einen funktionsfähigen kosovarischen Staat akzeptieren könnte. Mit Belgrad werde es dagegen nur Gespräche über die "objektiven serbischen nationalen Interessen im Kosovo" geben. "Es geht dabei nicht nur um die Existenz des serbischen Volkes im Kosovo, sondern auch um seine Förderung, um seine Kultur", präzisierte Surroi.

Für NATO-Präsenz

Das Mitglied der kosovarischen Verhandlerdelegation sprach sich für eine NATO-Präsenz im Kosovo auch nach der Lösung der Status-Frage aus. "Sie wäre für alle Bürger des Kosovo annehmbar." Aus politischer Sicht sei eine "sehr starke europäische Komponente", das heißt, eine internationale Präsenz sei notwendig, die das Kosovo auf eine Eingliederung in die Europäische Union vorbereite. Eine gemeinsame amerikanisch-europäische Präsenz sei in den Bereichen Rechtsordnung, Polizei und Minderheitenrechte unentbehrlich, so der Ora-Führer.

Frage schnell lösen

Surroi ist weiters überzeugt, dass die Status-Frage "in weniger als sechs Monaten" gelöst ist. Eine Radikalisierung der Situation im Kosovo könnte seiner Ansicht nach nur durch eine Beibehaltung des Status quo oder eine Stagnation bei den Verhandlungen ausgelöst werden.

Serbien vertritt kurz vor dem Beginn der Status-Gespräche einen zu den Kosovo-Albanern völlig entgegengesetzten Standpunkt. Demnach soll das Kosovo höchstens eine breite Autonomie, auf keinen Fall aber die Unabhängigkeit erhalten. Die Kosovo-Albaner streben die Unabhängigkeit an.

Albaner in Südserbien miteinbeziehen

Surroi befürwortete gegenüber B-92 auch die Einbeziehung von Vertretern der albanischen Minderheit im südlichen Serbien in die bevorstehenden Verhandlungen über den künftigen Status des Kosovo. "Dies wäre notwendig, nicht um die Frage des Süden Serbiens an den künftigen Status des Kosovo zu binden, sondern hinsichtlich einer Lösung von Minderheitenfragen auf dem ganzen Balkan." (APA)

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