Im Netz der Partner

7. November 2005, 12:49
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Ein Network-Projekt soll IT-Anbietern das Leben erleichtern

Wenn sie die Türe auch nur einen Spalt öffnen, weht ihnen rauer Wind entgegen. Kleinere und mittlere IT-Firmen sind am Markt eher frostigen Bedingungen ausgesetzt: Globalisierung, Preisdruck und der intensive Konkurrenzkampf führen häufig in eine kommerzielle Abseitsposition. Die Rasanz der technologischen Entwicklung macht ihnen das Leben nicht leichter: Wer permanent Schritt halten will, benötigt einen sehr langen Atem.

Während schon für den heimischen Markt gehörige Kraftanstrengungen notwendig sind, bleibt internationale Expansion überhaupt ein schöner Traum. Die Realität ist der Mangel an breitem Know-how und fehlendes Geld für Marketing oder Vertrieb.

Zweite Geige

Längst hat man erkannt, dass Solisten bestenfalls die zweite Geige spielen können. Gesucht sind Konzepte für eine Verbesserung der Lage. Vienna IT Enterprises (VITE), das vom Wiener Wirtschaftsförderungsfonds (WWFF) eingerichtete Netzwerk für IT-Unternehmen, Forschungs-, Entwicklungs- und Bildungseinrichtungen, und SIG Wien erproben jetzt mit einem gemeinsamen Projekt Networking, um die Wettbewerbsfähigkeit von KMUs zu erhöhen. Die Idee hinter dem sperrigen Arbeitstitel "VITE Group - Cross-Border Virtual Enterprise": Betriebe bündeln ihre Kernkompetenzen und treten so gemeinsam am Markt auf. Die potenziellen Vorteile liegen auf der Hand: weniger Anfangsrisiko, Teilung der Investitionen, bessere Ausschöpfung von Ressourcen, mehr Flexibilität.

"Firmen können auf diese Art Zusatzaufträge akquirieren", sagt Projektleiter Heinz Semerad. Anvisiert wird nicht bloß der Weg zu größeren Ausschreibungen sowie EU-Projekten. Gehofft wird auch auf leichtere Schritte in das europäische Ausland, nach Asien oder gar in die USA. Schließlich hat man künftig für dortige Managern reizvolle Argumente: mehr Qualität und individuellere Produktion, höhere Geschwindigkeit.

Eine Startbasis besteht jedenfalls. Die Kontakte der bestehenden VITE-Partner in Zentral-, Ost- und Südosteuropa fließen gleichermaßen in die Business-Gemeinschaft ein. Bevor sich aber jene auf zwei bis fünf Jahre angelegte Initiative entfalten kann, müssen diverse Hausarbeiten erledigt werden. Im Gegensatz zu klassischen Jointventures lenken nicht komplizierte Vertragswerke die Zusammenarbeit, sondern Vertrauen und Spielregeln wie zum Beispiel kooperatives Verhalten. Die Standards gilt es präzise zu definieren.

Ein erster Praxisschritt betrifft die Suche: Geeignete Mitspieler scheint es nicht wie Sand am Meer zu geben - die Anforderungen sind relativ hoch. Semerad: "Es wird sicher schwierig. Wichtig ist, dass der Partner bereits über ein gesundes Stammgeschäft verfügt, kooperationsfähig ist und an Internationalisierung interessiert ist."

Zehn Unternehmen haben sich bisher angemeldet, mindestens 24 sollen im ersten Durchgang aufgenommen werden. Die Auslese erfolgt nach strengen Maßstäben: Entscheidend sind erfolgreiche Projekte sowie eine Referenzliste zufriedener Kunden. Für besser gefüllte Auftragsbücher erwählter Teilnehmer dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach ein Broker sorgen, der alle Märkte bearbeitet.

Offen bleibt dabei trotzdem, ob es reelle Chancen gibt im Rennen mit den Big Playern. "Es sind genug mittelgroße Aufträge vorhanden, wo einiges möglich ist", meint Semerad. "Unser Vorteil ist dabei die Flexibilität. Wir können für jeden Auftrag das geeignete virtuelle Unternehmen bilden."

Nach getaner Arbeit kann sich jene Einheit, beispielsweise als AG oder GmbH organisiert, wieder auflösen. Während dieses virtuelle Geflecht ein Unternehmen auf Zeit bildet, bleibt die gesamte Kooperation mit eigener Corporate Identity bestehen - für weitere reale Netzwerkenergie. (Christian Prenger/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31. 10. 2005)

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