Schaunig geht auf Distanz zu Haider

4. November 2005, 10:58
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Am Samstag mit 61,2 Prozent klar zur neuen Parteichefin der Kärntner SPÖ gewählt - "Signal eines lang ersehnten Aufbruchs"

Gaby Schaunig wurde mit 61,2 Prozent klar als neue Parteichefin und damit erste Frau an die Spitze der Kärntner SPÖ gewählt. Zu Koalitionspartner Jörg Haider geht sie deutlich auf Distanz.

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Klagenfurt - "Unsere Geduld ist nicht grenzenlos." Überaus deutlich hatte Kärntens "rote Gaby" Schaunig klargemacht, dass der Langmut mit Koalitionspartner Jörg Haider und seinem BZÖ auch ein Ende haben kann. Und die Delegierten des außerordentlichen SPÖ-Parteitages in der vollbesetzten Klagenfurter Messehalle honorierten am Samstag die lange - und unter Vorgänger Peter Ambrozy vergeblich - ersehnte Abgrenzung mit einem klaren Vertrauensvotum.

Schon im ersten Wahlgang ließ Schaunig ihre vier männlichen Mitbewerber Rudolf Altersberger, Karl Markut, Gerhard Mock und Reinhart Rohr weit hinter sich. Der Villacher Kandidat Rohr schaffte es mit einem Respektabstand von knapp zehn Prozent hinter Schaunig in die Stichwahl, die diese mit 61,9 Prozent für sich entschied.

Jubel: "Es war wie ein Befreiungsschlag"

Unter den 547 Delegierten und rund 600 Gastdelegierten brach Jubel los, als das Ergebnis verkündet wurde. "Es war wie ein Befreiungsschlag", konnte man danach immer wieder von SPÖ-Funktionären hören, und: "In der Koalition wird es sicher schwieriger werden. Aber das ist immer noch besser, als nur Haiders Beiwagerl zu sein."

Von einem "deutlichen Signal des Aufbruchs" sprach der Villacher Bürgermeister Helmut Manzenreiter, einstiger Mentor und Entdecker Schaunigs. Doch einige, darunter auch Klubobmann Karl Markut, gingen im Zorn. Gaby Schaunig hatte ihn ohne Vorwarnung noch auf dem Parteitag abserviert. Seine Funktion im Landtag wird Peter Kaiser, bisher Markuts Stellvertreter und Vorsitzender des Untersuchungsausschusses zur Klagenfurter Seebühne, übernehmen. Damit setzte die Parteichefin ein kräftiges Signal gegenüber der "Lavanttaler Connection", die dem traditionell "nationalen" (Ex-Landesrat Rudolf Gallob) und Haider-freundlichen (der Wolfsberger Bürgermeister Gerhard Seifried) SPÖ-Flügel angehört.

"Unverzichtbarer Freund" Reinhart Rohr

Reinhart Rohr, schon bisher Landesrat, bleibt als "unverzichtbarer Freund" in der Regierung. Somit wird der Bezirk Villach zufrieden gestellt. Der Nachfolger Ambrozys als Gesundheitsreferent, der Chirurg Wolfgang Schantl, stammt aus altem rotem Kärntner Parteiadel. Die Position des Parteigeschäftsführers will Schaunig erst später besetzen.

Die Freunde über die Wahl Schaunigs zur "vierten roten Parteiobfrau" in den Bundesländern stand dem Bundesvorsitzenden Alfred Gusenbauer ins Gesicht geschrieben, denn Schaunig war auch seine persönliche Favoritin: "Schaunig ist der frische Wind, den die Kärntner SPÖ jetzt dringend braucht." Jörg Haider werde sich warm anziehen müssen, "er ist ja schon sichtlich nervös", meinte Gusenbauer zum STANDARD.

Mit gespannter Miene verfolgte Haiders Pressesprecher die Wahl Schaunigs, um das Ergebnis seinem Chef sofort per SMS durchzugeben. Der Kärntner Noch-BZÖ-Obmann Martin Strutz beeilte sich nach der Wahl Schaunigs, festzustellen, dass das Wahlergebnis "keine Auswirkungen auf die orange-rote Koalition haben" werde.

Vergebliche Drohung

Tags zuvor hatten Haider und Strutz noch deutliche Drohungen ausgestoßen und den Koalitionspartner SPÖ zu einem klaren Bekenntnis zur umstrittenen Seebühne aufgefordert, die mittlerweile Gegenstand eines Untersuchungsausschusses und ein Fall für den Staatsanwalt ist. Auch zur Koalition selbst forderten die Orangen vom künftigen SPÖ-Chef ein uneingeschränktes Ja. Gleichzeitig stellte Haider eine mögliche Zusammenarbeit mit der Kärntner ÖVP in den Raum, wohl um den SPÖ-Delegierten vor dem Parteitag einen Schuss vor den Bug zu geben.

Auch die Kärntner ÖVP hatte Interventionsversuche seitens der Bundes-ÖVP bestätigt, Haider in Kärnten "ruhig zu stellen". Doch die SPÖ-Delegierten ließen sich davon offenbar nicht beeindrucken-und entschieden sich klar für die bekannt Haider-kritische Schaunig. (DER STANDARD, Printausgabe 31.10./1.11.2005)

Von Elisabeth Steiner
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