Orange Peanuts

14. November 2005, 08:33
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Die Inszenierung der BZÖ-Obmanndebatte führt angesichts der realpolitischen Schwäche nur mehr zu Ermüdungserscheinungen - Kommentar von Karin Moser

Man kennt das ja: Wenn einer aus seinen Träumen gerissen wird, ist er meistens nicht besonders leidlich im Umgang mit seinen Mitmenschen. Zu wohlig war's unter der solcherart selbst gestrickten Illusionsdecke, als dass man diese ohne Widerstand gegen die Störungen der Außenwelt aufgeben wollte. Durch Wahlen hochgeschreckte Politiker agieren da nicht anders, wie das Beispiel Jörg Haider zeigt. Beachtlich ist nur, mit welcher Vehemenz er an seiner orangen Vision von der Neugestaltung des "dritten Lagers" festhält - auch der zweite Weckruf, jener der Wiener Landtagswahl, konnte ihn nicht zum Aufstehen und Gehen bewegen.

Wobei - kurz war er jetzt doch wieder weg, nuschelte beim Hinausgehen etwas von "auf Kärnten konzentrieren". Die traumgetunkte Schmusedecke fest in der Hand, will der "Nach-wie-vor-Obmann" des BZÖ eine Rückkehr als dessen Spitzenkandidat dann aber doch nicht ausschließen. Die Ursache für das Versagen der Orangen liege sowieso ganz woanders: Es sei so lange "verbal und publizistisch" auf das Bündnis losgetreten worden, dass sich "ja keiner mehr sagen traut, dass er BZÖ wählt". Nur im schönen Kärnten, da sei die Welt noch heil. Von hier aus rechnet sich Haider ein Grundmandat bei der Nationalratswahl aus, denn "man muss sich ja auch etwas zutrauen". Die Kärntner wüssten jedenfalls, wie sehr sie von einer Regierungsbeteiligung des BZÖ profitieren würden, meint Haider - und mit "guten Ideen" wie der von der einheitlichen Unternehmenssteuer will er auch das restliche Österreich davon überzeugen.

Bloß, wer hört da noch zu? Selbst wenn es Haider via Kärntner Grundmandat schaffen sollte, noch einmal in den Nationalrat einzuziehen - gestalten werden künftig andere. Die bewusst gesuchte Inszenierung der BZÖ-Obmanndebatte führt angesichts dieser realpolitischen Schwäche nur mehr zu Ermüdungserscheinungen. Gute Nacht, Linus! (Karin Moser, DER STANDARD, Print, 31.10.2005)

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