Frau mit Herz und politischem Gewicht

10. November 2005, 13:30
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Überraschte und überzeugte mit taktischem Geschick: Gaby Schaunig

Als Gaby Schaunig nach ihrer Wahl zur neuen Kärntner SPÖ-Vorsitzenden ans Rednerpult trat, meinte sie unter tosendem Beifall: "Ich hoffe, die Mikrofone sind so eingestellt, dass ihr auch mein Herzklopfen hören könnt." Damit nahm sie den parteiinternen Kritikern den Wind aus den Segeln, die ihr im Vorfeld der Wahl zwar Intelligenz bescheinigt, aber ein kaltes Herz vorgeworfen hatten. Und die sie für eloquent, aber politisch doch zu leichtgewichtig befunden hatten.

Dass Letzteres ganz sicher eine Fehleinschätzung war, hat die deklarierte Haider-Gegnerin nicht zuletzt auch mit ihrer minutiös vorbereiteten Präsentation vor dem Parteitag bewiesen. Ihre männlichen Konkurrenten ließ sie damit weit hinter sich.

Nicht wenige SPÖ-Delegierte quer durch die Bezirke warfen daraufhin ihre zuvor getroffenen internen Festlegungen über Bord und entschieden sich - weit über ihren und den BZÖ-Schatten springend - für die erste Frau an der Spitze der Kärntner Sozialdemokratie.

Taktisch geschickt hat die 40-jährige gelernte Juristin auch gleich den nächsten Paukenschlag gesetzt und ihr Wunschteam präsentiert. Den überrumpelten Gremien, an denen ihre Vorgänger wegen umstrittener Personalfragen zu scheitern pflegten, blieb nur mehr, den formalen Segen nachzureichen.

Es entspricht Gaby Schaunigs Naturell, dass sie weiß, was sie will, und das auch konsequent und zielstrebig durchsetzt. Manchmal lautstark, wie in den vielen Streitgefechten mit Jörg Haider, manchmal leiser, wenn es um ihr wichtige Sachfragen vor allem im Sozialbereich geht.

Dabei hatte es die Quereinsteigerin, die 1999 vom damaligen Parteichef und Villacher Bürgermeister Helmut Manzenreiter zur Soziallandesrätin berufen wurde, gerade im Vorfeld ihrer Wahl alles andere als leicht. Von den Medien und der Bundes-SPÖ als "Kärntner Lichtgestalt" gehätschelt, schlug ihr bis zuletzt nicht nur in ihrem eigenen SPÖ-Bezirk Klagenfurt ein rauer Wind entgegen. So gab sie ihre Kandidatur öffentlich bekannt, ohne zuvor den Klagenfurter Parteichef Ewald Wiedenbauer zu informieren. Ihr Mitbewerber, der Sankt Veiter Bürgermeister Gerhard Mock, ließ ihr ausrichten, dass er sie im Falle seiner Wahl nicht mehr in der Regierung haben wolle. Auch die SPÖ-Frauen, deren Chefin sie gerne geworden wäre, begegneten ihr mit Argwohn.

Trotz alledem hat es Schaunig souverän bis an die Parteispritze geschafft. Die Fallstricke werden ihr sicher auch künftig nicht nur von Jörg Haider, sondern auch bisweilen aus den eigenen Reihen ausgelegt werden. Dass Kärntens "rote Gaby" nicht stolpern wird, davor könnte sie neben ihrem politischen Instinkt vor allem ihr unbeugsamer Wille bewahren: "Mit mir nicht". (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Print, 31.10.2005)

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    Gaby Schaunig

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