"Bombón (El perro)": Roadmovie mit Hund

30. Oktober 2005, 19:16
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Der argentinische Regisseur Carlos Sorin schickt in seiner verhaltenen Komödie "Bombón (El perro)" ein ungewöhnliches Gespann auf Reisen

Wien - Der freundliche Herr hat zu jedem seiner Werkstücke eine kleine Geschichte zu erzählen: Das Holz des einen Messergriffs stamme von einem Schiffswrack aus dem 18. Jahrhundert, das andere aus einer ganz speziellen Gegend - das Interesse seiner Zuhörer ist ihm sicher, aber als es ums Kaufen geht, beginnt das kleine Grüppchen sich schnell aufzulösen.

Mit dieser Eingangssequenz ist der Charakter der Hauptfigur umrissen: Juan Villegas ist ein stiller, älterer Herr, ein bisschen zögerlich; einer, der schlecht Nein sagen kann. Für sein Geschäft ist das nicht gut. Ein Besitzerwechsel hat ihn nach zwanzig Jahren seinen Arbeitsplatz an einer Tankstelle gekostet, seither schlägt er sich mit Gelegenheitsjobs durch. Als er eines Tages auf eine junge Frau mit einer Autopanne trifft und deren Fahrzeug repariert, erhält er im Gegenzug eine argentinische Dogge. Der riesige weiße Hund wird fortan der schweigsame Beifahrer auf Villegas' Touren durchs patagonische Hochland, und schnell stellt sich heraus, dass ihm das Tier nicht nur Jobs verschafft, sondern auch Zutritt zu einer unbekannten, neuen Welt.

"Problem mit der Libido"

Villegas will unter die Hundezüchter gehen: Sein Rüde gewinnt zwar auf Anhieb eine Trophäe bei einer Hundeausstellung, hat aber ein "Problem mit der Libido" - und so scheint dieser Plan zunächst nicht aufzugehen.

Bombón, inszeniert vom Argentinier Carlos Sorin, ist eine verhaltene Komödie. Wie in Historias Mínimas (2002) hat Sorin auch hier mit Laiendarstellern gearbeitet (die den Figuren großteils auch ihre Namen leihen); und auch Bombón erzählt eine Mini-Geschichte, die nebenbei gegenwärtige Gegebenheiten mitverhandelt, eine individuelle Erfolgsgeschichte, bei der am Rande immer wieder die prekären ökonomischen Verhältnisse durchscheinen: Jüngere Arbeitskräfte als Villegas sind gefragt. Selbst die Gutsbesitzerin, die ihm den Hund aufdrängt, ist in Wahrheit gar nicht in der Lage, ihn für seine Reparatur anders zu entschädigen. Nur die Securitybranche scheint noch zu boomen.

Panoramaaufnahmen

Carlos Sorin inszeniert seinen schüchternen Helden in diesem Kontext häufig in fahrigen, eng kadrierten und ganz auf die Personen fokussierten Bildern, die mit den Panoramaaufnahmen der Landschaft kontrastieren (und nicht selten unter musikalischer Behübschung leiden).

Am Ende haben Hund und Herr sich von einigen Zwängen befreit - eine kleine Geschichte, die von immer noch gegebenen Handlungsmöglichkeiten jenseits funktionaler Anpassung erzählt, solange man ein Auto hat, das fährt. (DER STANDARD, Printausgabe, 31.10./1.11.2005)

Von Isabella Reicher
  • Beschauliche Reise durchs patagonische Hochland: Juan Villegas und sein schweigsamer Beifahrer, eine argentinische Dogge, in der Komödie "Bombón (El perro)"
    foto: polyfilm

    Beschauliche Reise durchs patagonische Hochland: Juan Villegas und sein schweigsamer Beifahrer, eine argentinische Dogge, in der Komödie "Bombón (El perro)"

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