Terror in Neu-Delhi: Mindestens 62 Tote und 210 Verletzte

21. November 2005, 14:27
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Anschlagsserie in der indischen Hauptstadt - Spur führt nach Kaschmir - An die 70.000 Polizisten in Alarmbereitschaft - Mit Infografik

Eine bisher kaum in Erscheinung getretene muslimische Extremistengruppe aus Kaschmir will hinter der Bombenserie in Neu-Delhi stecken. Mindestens 62 Menschen starben bei den drei Explosionen am Samstag.

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Neu-Delhi - Nach der Anschlagsserie in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi mit mindestens 62 Toten und 210 Verletzten laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Mehr als 70.000 Polizisten in der Zehn-Millionen-Metropole waren am Sonntag in Alarmbereitschaft. Meldungen über Festnahmen von Verdächtigen wurden aber von den Behörden am Sonntag dementiert. Eine in Kaschmir aktive propakistanische Islamistengruppe namens Inquilab (Revolution) bekannte sich zu den drei am Samstag fast zeitgleich verübten Bombenattentaten.

Unter den Opfern waren auch Kinder und Ausländer, aber offenbar keine Österreicher. Die Anschläge wurden weltweit verurteilt. Die drei Explosionen ereigneten sich im Abstand von etwa 20 Minuten auf zwei belebten Märkten und in einem Bus. Ein Mann, nach dem die Polizei nun mit einem Phantombild fahndet, soll auf dem Markt von Sarojini Nagar, wo es die meisten Toten gab, einen Dampfkochtopf mit einer Bombe abgestellt haben. Der andere Markt im Stadtteil Paharganj ist bei ausländischen Rucksackreisenden beliebt.

Geistesgegenwart eines Busfahrers

Die Explosion der dritten Bombe verlief dank der Geistesgegenwart eines Busfahrers glimpflich: Der schwer verletzte Kuldeep Singh, der nun als Held gefeiert wird, war von seinen Fahrgästen auf ein verdächtiges Paket aufmerksam gemacht worden. Als sich kein Besitzer meldete, ließ Singh alle Fahrgäste aussteigen, fuhr in eine vergleichsweise abgelegene Gegend und versuchte dann, das Paket mit der Bombe aus dem Fenster zu werfen. Dabei zündete der Sprengsatz und verletzte den Fahrer lebensgefährlich.

Die Bomben explodierten vor einem der wichtigsten hinduistischen Feiertage, dem Diwali- oder Lichterfest morgen, Dienstag, für das viele Menschen am Samstag Einkäufe tätigten. Pakistan verurteilte die Anschlagsserie als "kriminellen Akt des Terrorismus" und forderte die Bestrafung der Schuldigen. Ein Mann namens Ahmed Yar Gaznavi meldete sich am Sonntag im Namen der Gruppe Inquilab telefonisch bei Journalisten in Srinagar. Seine Gruppe wolle "Anschläge dieser Art" so lange fortsetzen, bis Indien seine Soldaten aus Kaschmir abziehe, kündigte er an. Nach Polizeiangaben wurde Inquilab 1996 gegründet, war aber "bisher nicht sehr aktiv". Die Gruppe unterhalte Verbindungen zur militanten Islamistenorganisation Lashkar-e-Taiba, die von Pakistan aus operiert. (AFP, red, DER STANDARD, Printausgabe 31.10./1.11.2005)

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    In Neu Delhi trauern Angehörige um die Opfer der Anschläge.

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    Die Ermittlungen laufen unterdessen auf Hochtouren.

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