"Muss mit unseren Genen zu tun haben"

7. November 2005, 13:49
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Wegen dramatischem Preisdruck in der Auto­branche sucht Zulieferer Miba nach Möglichkeiten in neuen Geschäfts­feldern wie Chef Mitterbauer im STANDARD-Interview erklärt

STANDARD: Miba ist mit Zulieferungen an die Automobilindustrie groß geworden, kommt nun aber gerade in dem Bereich zusehends unter Druck. Die Gruppe erzielt erstmals mehr Umsatz außerhalb des automotiven Sektors. Bleibt das so?

Mitterbauer: Tatsache ist, dass die europäische Autoindustrie seit zwei, drei Jahren auf hohem Niveau stagniert. Der nicht automotive Bereich, sprich Lkws, Traktoren, große Motoren für Schiffe, Lokomotiven sowie Maschinen zur Energieerzeugung, ist in den letzten Jahren weltweit stärker gewachsen als der Pkw-Absatz. Das setzt sich fort.

STANDARD: Was heißt das für Miba?

Mitterbauer: Bereiche zu forcieren, wo wir weniger abhängig sind von der Autokonjunktur, etwa Gleitlager und Reibbeläge. Und darüber hinaus Ausschau halten nach neuen Geschäftsfeldern . . .

STANDARD: . . . im Nahbereich von dem, was Miba derzeit macht, oder was völlig Neues?

Mitterbauer: Das muss schon etwas mit unseren Genen zu tun haben, etwas völlig Fremdes werden wir nicht machen. In den zwei, drei Jahren wird es die konkreten Beschlüsse geben, dieses oder jenes zu tun, zu kaufen, auszubauen ...

STANDARD: Der Preisdruck im Autobereich ist enorm . . .

Mitterbauer: . . . Der ist extrem und wird immer schlimmer.

STANDARD: Sind das noch Auswirkungen des López-Effekts?

Mitterbauer: Ignazio López, der frühere VW-Vorstand, war der Erste, der die Autozulieferer ausgequetscht hat. Inzwischen gibt es tausende Kinder und Enkel von ihm.

STANDARD: Hat sich für Miba nie die Frage gestellt, mehr in die Komponentenfertigung zu gehen?

Mitterbauer: Nein, wir haben uns immer auf unsere drei Geschäftsfelder Gleitlager, Sinterformteile und Reibbeläge konzentriert. Bei Gleitlagern wäre es gar nicht möglich, ein ganzes System zu liefern. Das System heißt Motor, und den wird ein Auto- oder Motorhersteller nie außer Haus geben.

STANDARD: Sie bauen in China ein Werk, sind in der Slowakei aktiv und beschäftigen dort schon fast 500 Mitarbeiter. Ist Österreich als Produktionsstandort noch interessant?

Mitterbauer: Von unseren knapp 2800 Mitarbeitern sind etwa die Hälfte in Österreich. Trotz der großen Investitionen im Ausland ist die Zahl der Beschäftigten an unseren drei heimischen Standorten in den letzten Jahren leicht gestiegen. Inlands- und Auslandsstandorte sind in gewissem Sinne komplementär.

STANDARD: Inwiefern?

Mitterbauer: Bei neuen, komplizierten Anwendungen findet die Erstproduktion fast immer in Österreich statt wegen der hoch qualifizierten Mitarbeiter, die es in der Form anderswo nicht gibt. Nichtsdestotrotz müssen wir uns in Österreich extrem anstrengen, um die Wettbewerbsfähigkeit nicht zu verlieren. Die anderen holen auf.

STANDARD: Um wie viel billiger ist die Arbeit in der Slowakei?

Mitterbauer: Die Personalkosten liegen bei einem Fünftel bis einem Sechstel der österreichischen. Daran wird sich kaum was ändern. Bei einer jährlichen Verteuerung der Personalkosten in Österreich von drei Prozent können Sie in der Slowakei die Löhne und Gehälter um 18 Prozent steigern, und der absolute Unterschied wird nicht kleiner.

STANDARD: Was heißt das für Österreich?

Mitterbauer: Dass insbesondere die Lohnnebenkosten runter müssen. Die Menschen in der Slowakei haben weniger Urlaub, die Karenzzeiten sind kürzer, und auch alle anderen sozialen Errungenschaften, die es bei uns gibt, gibt es dort in der Form halt nicht.

STANDARD: Sie werden in zwei Wochen 63, waren in vielen Spitzenfunktionen tätig. Welches Ziel haben Sie noch?

Mitterbauer: Das Unternehmen in gute nächste Hände legen. Dafür ist vorgesorgt.

STANDARD: Sie gelten als Favorit für die Nachfolge von ÖIAG-Aufsichtsratschef Alfred Heinzel, dessen Mandat Mitte nächsten Jahres ausläuft. Würde Sie der ÖIAG-Job reizen?

Mitterbauer: Das hängt von den Rahmenbedingungen ab. Letztlich geht es um die Frage, ob die ÖIAG weiter privatisiert oder zu einer Vermögensverwaltungsgesellschaft wird.

STANDARD: Für Letzteres wären Sie nicht zu haben?

Mitterbauer: Letzteres würde mich nicht sehr interessieren. Da gibt es viel Erfahrenere als mich, sowohl was das Management selbst als auch was die Beaufsichtigung des Managements betrifft. Es gibt aber auch ein großes Fragezeichen, und das heißt Oktober 2006. Wie schaut dann die Regierung aus und was steht im Regierungsprogramm?

ZUR PERSON: Peter Mitterbauer (62) ist Vorstandsvorsitzender und Mehrheitseigentümer des Autozulieferunternehmens Miba AG. Von 1996 bis 2004 war er zudem Präsident der Industriellenvereinigung. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.10.2005)

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    Sucht ein zusätzliches Betätigungsfeld für seine Firmengruppe und fände es reizvoll, als ÖIAG-Aufsichtsratschef die Privatisierung voranzutreiben: Miba-Chef Peter Mitterbauer.

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