"Bonjour Cinema" im Filmmuseum

3. November 2005, 15:20
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Jean Epstein und das französische Kino der 20er Jahre und Dardenne-Retro

Wien - "Bonjour Cinema" heißt es im November im Österreichischen Filmmuseum. Ab Mittwoch (2. November) bis 21. November wird das einflussreiche französische Kino der 1920er Jahre präsentiert, mit dem Regisseur Jean Epstein als Mittelpunkt der Schau. Und von 20. bis 30. November findet in Zusammenarbeit mit dem Festival EU XXL die erste österreichische Retrospektive der belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne statt.

Das französische Kino der 1920er Jahre spielte für die Weiterentwicklung des Mediums eine ähnlich prägende Rolle wie die parallel verlaufende Kino-Revolution in der Sowjetunion. In Kooperation mit der Cinematheque Francaise präsentiert "Bonjour Cinema" u.a. Filme von Antonin Artaud, Rene Clair, Jean Renoir, Alberto Cavalcanti, Louis Delluc und der Feministin und Theoretikerin Germaine Dulac.

Im Zentrum der Schau stehen die zwölf wichtigsten Filme von Jean Epstein (1897-1953), dessen Bedeutung als Filmemacher und Theoretiker ("Bonjour Cinema" ist der Titel seines ersten Buchs) erst in den vergangenen Jahren verstärkt wahrgenommen wird. Der aus Warschau stammende Emigrant verfilmte nach einem Medizinstudium zunächst u.a. Liebes- und Abenteuergeschichten. Zu seinen späteren Meisterwerken zählt die Poe-Verfilmung "La chute de la Maison Usher". Seine ab 1929 in der Bretagne, mit Laien und in der freien Natur gedrehten Filme, darunter "Finis terrae" (1929) und "Le Tempestaire" (1947), nehmen den Neoverismo vorweg.

Die Dardenne-Retrospektive im Rahmen des Festivals EU XXL (von 23. bis 29.11. in Wien und Krems) stellt neben den bekannteren Arbeiten der Brüder, die heuer für "L'Enfant" bereits ihre zweite Goldene Palme (nach "Rosetta" 1999) in Cannes gewannen, ihre in den 70er und 80er Jahren entstandenen dokumentarischen Arbeiten vor. Wie die späteren Spielfilme in der belgischen Stahlarbeiterstadt Seraing, der Heimatstadt der Dardennes, angesiedelt, prägen sie deren dokumentarischen Blick.

Ergänzt wird die Retrospektive um drei Dokumentationen von Benoit Dervaux, der seit "Rosetta" für die charakteristische Handkamera der Dardenne-Filme verantwortlich zeichnet. Sozialen Außenseitern gewidmet, sind seine Arbeiten thematisch jenen der Dardennes verwandt und wurden auch von ihnen produziert.

Weiters steht im Filmmuseum im Kooperation mit des Festival "Wien modern" am 19. November die Uraufführung der dreiteiligen Live-Version von Gustav Deutschs poetischem "Welt. Spiegel. Kino" am Programm. Dabei werden die drei historischen Straßenszenen vor diversen Kinos, von denen Deutsch assoziativ auf andere Filme überblendet, eben jenen Originalmaterialien gegenüber gestellt, live begleitet von Christian Fennesz, Burkhart Stangl und Jean Paul Dessy.

Peter Kubelkas Zyklus "Was ist Film" bringt Arbeiten von Kenneth Anger, Stan Brakhage, Carl Theodor Dreyer, Valie Export, Jean Genet, Michael Snow und Jean Vigo. Und die Reihe "Utopie Film", ebenfalls am Dienstag, widmet sich diesen Monat der Konstruktion des Urbanen, mit Tatis "Playtime", Godards "Alphaville", Murnaus "Sunrise", Barnets "Haus in der Trubnaja-Straße" und Stadt-Fahrten des frühen Kinos. (APA)

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