Montgomery denkt an weitere Investitionen in deutsche Medien

4. November 2005, 12:54
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Kein schneller Ausstieg aus Berliner Verlag geplant

Der britische Unternehmer David Montgomery denkt nach dem Erwerb des Berliner Verlags an weitere Investitionen in der deutschen Medienbranche. Er sagte in einem Interview des Nachrichtenmagazins "Focus" nach einem Vorausbericht von Samstag, er könne sich Investitionschancen sowohl bei Zeitungen als auch bei Rundfunkanstalten vorstellen.

Die deutsche Medienlandschaft sei anders als die britische wesentlich weniger konsolidiert. Investitionschancen könne es darüber hinaus überall in Europa geben, sagte der ehemalige Chef des Londoner Zeitungshauses Mirror Group.

Langfristiger Aufbau eines neuen Medienkonzerns

Montgomery widersprach Befürchtungen, er strebe nach dem Kauf des Berliner Verlags einen schnellen, profitablen Ausstieg an. Ihm schwebe vielmehr langfristig der Aufbau eines neuen Medienkonzerns vor: "Wenn es uns gelingt, eine deutsche oder europäische Mediengruppe zu schaffen, werden sich ganz neue Möglichkeiten der Refinanzierung ergeben", sagte er dem "Focus". Es sei auch sehr gut möglich, dass das Management und das Unternehmen in zehn Jahren in derselben unabhängigen Form existierten, "nur eben als Teil eines wesentlich größeren Unternehmens".

Der Brite lobte die deutschen Medienmanager. Sie seien "weltgewandt, wissen, was außerhalb ihres Landes los ist, orientieren sich in ihrem Geschäft an internationalen Trends". Das Bild von Deutschland als dem kranken Mann Europas sei ein Mythos, der einfach falsch ist". Deutsche Verleger seien mindestens so kreativ wie britische, wenn nicht sogar kreativer".

Zusammenarbeit mit Chefredakteuren vorstellbar

Eine Zusammenarbeit mit den betroffenen Chefredakteuren der "Berliner Zeitung" und des "Berliner Kuriers", Uwe Vorkötter und Hans-Peter Buschheuer, könne er sich sehr gut vorstellen, sagte Montgomery. Vorkötter und Buschheuer, die den Briten in den vergangenen Wochen heftig angegriffen hatten, "bleiben sicherlich, und wir werden zusammen Ideen für die Zukunft entwickeln".

"Der Spiegel" berichtete unterdessen am Samstag im Voraus, dass offenbar weder Vorkötter noch Buschheuer sich zum Vorzugstarif an der Übernahme beteiligen wollten, wie Montgomery es geplant habe. Er habe "gar nicht genau gewusst, wie so ein Management-Buy-Out überhaupt funktioniert", zitierte das Blatt Vorkötter.

Kartellamtschef Ulf Böge sagte laut "Spiegel", bei der Prüfung der Übernahme reichten der Behörde allgemeine Angaben über die Investoren, die diese Firmen sowieso veröffentlichen, nicht aus. Als Käufer des bisher zum Holtzbrinck-Konzern gehörenden Verlags treten Montgomerys Investmentgesellschaft Mecom und der Medienfonds VSS (Veronis Suhler Stevenson) auf. (APA)

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