Europa: Schwächer bei nervösem Umfeld

4. November 2005, 15:25
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Ein Kommentar von Jürgen Ulamec aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die europäischen Aktienmärkte schlossen die vergangene Woche in einem nervösen Marktumfeld schwächer. Grund für die unentschlossene Haltung der Anleger waren neben uneinheitlichen US-Vorgaben auch Inflationsängste und schwache Unternehmensergebnisse auf der Technologieseite.

Im Stoxx-Vergleich tendierten alle Branchenindizes bis auf die Grundstoffindustrie im negativen Terrain. Nach einer positiven Sektoranalyse rückten Aktien der Stahlkonzerne - unter anderen Arcelor, Corus, ThyssenKrupp und Salzgitter - in den Fokus der Investoren. Auch Papiere des Minenkonzerns Anglo American zählten nach der Ankündigung, sich von seinen Anteilen bei Anglo Gold trennen zu wollen, zu den stärksten Werten in Europa. Bei DaimlerChrysler hat sich der Ausblick für den weiteren Geschäftsverlauf verbessert. Der fortscheitenden Sanierung zum Trotz zeigten sich die Anleger von den Quartalszahlen von Fiat enttäuscht. Auch die Aktie des Reifenhersteller Continental wurde von der Gewinnwarnung des Konkurrenten Michelin nach unten gezogen. Verstärktes Interesse gab es für die Aktie des Pharmakonzerns Schering, die vor allem dank der Anti-Baby-Pille Yasmin mit einem Umsatz- und Gewinnanstieg im Q3 die Analystenerwartungen deutlich übertroffen und das Ziel für das laufende Jahr erhöht hat.

Auf der Verliererseite standen vor allem die Technologietitel. Getrieben wurden die Kursverluste durch France Telekom, die ihre Umsatzprognose für das Gesamtjahr nach unten revidierte. Auch die Aktie des französischen Telekomausrüsters Alcatel brach nach negativem Umsatzausblick ein und zog den Gesamtmarkt nach unten. Auch der Chiphersteller STMicroelectronics brachte aufgrund des anhaltenden Preisdrucks in der Branche schwache Zahlen. Enttäuscht reagierten die Anleger von Adidas-Salomon (über 6% minus) im Vorfeld der Übernahme auf die rückläufige Umsatzentwicklung des Sportkonzerns Reebok. Negative Geschäftsaussichten des niederländischen Einzelhandelskonzern Ahold waren für das starke Kursminus der Aktie verantwortlich.

Auf Konjunkturseite signalisierte der starke Anstieg des Ifo-Index im Oktober ein eindeutiges Zeichen für einen Aufschwung. Die Frage unter den Anlegern ist, wie die EZB in ihrer Sitzung nächste Woche auf die konjunkturelle Verbesserung reagieren wird. Auch in der kommenden Woche werden zahlreiche Quartalszahlen bedeutender europäischer Unternehmen erwartet.

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