Der tote Schwan

23. November 2005, 10:42
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Beruhigend: Das Tier, Sie wissen schon, dürfte seiner Altersschwäche erlegen sein

Täglich verhungern 25.000 Menschen. 840 Millionen leiden an Nahrungsmangel. Und am Sonntag wurde in der Nähe des Neusiedler Sees ein toter Schwan gefunden. In Österreich erkranken jährlich 35.000 Menschen an Krebs, fast 20.000 Patienten sterben daran. Was den toten Schwan betrifft: Er dürfte schon recht alt gewesen sein.

Die Zahl der Österreicher, die jährlich die Folgen ihres Alkoholkonsums nicht überleben, wird auf 8000 geschätzt. 12.000 Österreicher sterben pro Jahr an den Auswirkungen von Nikotin. Beruhigend: Der Schwan, Sie wissen schon, dieser Schwan dürfte seiner Altersschwäche erlegen sein.

Auf Österreichs Straßen und in den Gräben daneben sterben jährlich 900 Menschen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen bei 40.000 Österreichern zum Tod. Aber regen Sie sich bitte nicht auf: Den toten Schwan auf der ungarischen Seite des Neusiedler Sees, der die Schlagzeilen durcheinander wirbelte und es bis zur Spitzennachricht im Teletext brachte, diesen Schwan, der medial die besten Voraussetzungen für die Vogelgrippe hatte und damit alle menschlichen Tode an Bedeutung zu überflügeln schien, diesen Schwan können wir vergessen. (Daniel Glattauer, DER STANDARD Printausgabe, 29./30.10.2005)

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