Österreichische Firmen dementieren

3. November 2005, 13:25
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Böhler: "Keine Schmiergeldzahlungen"

Wien - In den Skandal um das UNO-Hilfsprogramm "Oil for Food" sind auch österreichische Firmen verwickelt, geht aus dem Abschlussbericht der Untersuchungskommission hervor. Der Bericht zählt 40 Unternehmen mit Sitz in Österreich auf, die an die irakische Regierung Gelder für Aufträge im Rahmen den Programms bezahlt haben sollen.

Auf der Liste wird auch eine Tochter der Voest Alpine mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten genannt. Bei 20 österreichischen Unternehmen gibt es laut Bericht konkretes Datenmaterial, das illegale Zahlungen belegen soll. Darunter befindet sich unter anderem die Veitsch-Radex Vertriebsgesellschaft und die Böhler Schweißtechnik.

Im Mutterkonzern Böhler-Uddeholm bestätigte man am Freitag zwar, dass das Unternehmen Geschäftskontakte in den Irak hatte, schließt aber Schmiergeldzahlungen aus.

Die Böhler Schweißtechnik habe am 19. Dezember 2001 Schweißmaterialien im Wert von 39.461,62 Euro an die State Company for Oil Projects im Irak geliefert. Dieses Geschäft sei im Rahmen des UNO-Programms "Oil for Food" durch Dome International (Dubai) zwischen dem Abnehmer im Irak und Böhler vermittelt worden, sagte ein Konzernsprecher. Böhler sei durch eine von der UNO als Treuhänder nominierte Bank bezahlt worden. Für die Vermittlung dieses Geschäfts habe Böhler an Dome "eine handelsübliche Provision" bezahlt. Zwischen Böhler und dem Irak sei "kein Geld" geflossen.

Tiroler Firmen dementieren

Zwei im Bericht über den Skandal um das UNO-Hilfsprogramm "Oil for Food" erwähnte Tiroler Firmen - die Biochemie Kundl (heute Sandoz) und der Zillertaler Fahrzeugbauer Empl - weisen Schmiergeldvorwürfe zurück. "Wir haben sicher nichts an das Hussein-Regime gezahlt", erklärte Herbert Empl, Firmenchef des gleichnamigen Unternehmens in der Samstag-Ausgabe der Tiroler Tageszeitung.

Eigentlich könne er darüber nur lachen, sagte Empl. Richtig sei, dass man in den Jahren 2000 bis 2002 Fahrzeuge in den Irak verkauft habe. Abgewickelt habe das Geschäft im Volumen von drei Millionen Euro jedoch ein Vermittler in Jordanien. "Dem haben wir eine Provision gezahlt, wie das in diesen Ländern halt üblich ist", erklärte Empl. Direkt habe man nicht in den Irak involviert sein wollen. "Das war uns zu gefährlich", gab der Firmenchef an.

Sandoz-Sprecher Gerold Krischker zeigte sich darüber verwundert, dass das Pharmaunternehmen in dem Bericht aufscheine. In dieser Liste würden aber auch alle Firmen angeführt, die jemals in den Irak geliefert haben. "Die Biochemie zählt zu jenen 1.400 Firmen gegen die keine Verdachtsmomente bestehen - was auch im UN-Bericht steht. Schwarzgeld-Zahlungen schließe ich völlig aus", sagte Krischker. Im Rahmen des "Oil for Food"-Programms habe es 1998 das erste und letzte Mal eine direkte Lieferung an eine irakische Staatsfirma gegeben (Wert: 89.000 Euro).

"Fälschungen"

Das Wiener Medizintechnik-Unternehmen Marquette Hellige, eine Tochter des US-Konzerns General Electric, dementierte auch, sich im Irak Aufträge "erkauft" zu haben.

Für weitere Firmen, die in illegale Zahlungen involviert sein sollen, basiert die Einschätzung der Kommission des früheren US-Notenbankchefs Paul Volcker auf Hochrechnungen. Die russische Regierung sprach unterdessen von "gefälschten Dokumenten". (APA/dpa, Reuters, red/DER STANDARD, Priuntausgabe, 29.10.2005)

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