Harro Uwe Cloppenburg ist Österreicher

7. November 2005, 13:49
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Der Ministerrat beschloss einstimmig, dem Inhaber von Peek & Cloppenburg die Staatsbürgerschaft zu verleihen. Begründung: Er schafft Jobs

Wien – Das Phantom des deutschen Textilhandels, Harro Uwe Cloppenburg, gleichnamiger Besitzer der Modehäuser Peek & Cloppenburg (P&C), ist seit Mitte Oktober nicht nur deutscher, sondern auch österreichischer Staatsbürger. Cloppenburg, einer der reichsten und mächtigsten Manager Deutschlands, ist aus Angst vor Entführung und Erpressung und den Aktionen militanter Tierschützer ähnlich öffentlichkeitsscheu wie die Aldi-Brüder oder Lidl-Inhaber Dieter Schwarz. Cloppenburg gibt keine Interviews und es exsistiert kein Foto von dem schlanken, großen Mann.

Ministerratsbeschluss

Der Ministerrat in Wien hat Cloppenburg, der am Freitag seinen 65. Geburtstag feierte, am 11. Oktober einstimmig seine Zustimmung für die Einbürgerung gegeben – mit der Begründung es sei im Interesse der Republik Österreich. Das bestätigte das Innenministerium dem STANDARD. Die Basis für die Einbürgerung (laut Staatsbürgerschaftsgesetz § 10, Absatz sechs) lieferte eine positive Stellungnahme des Wirtschaftsministeriums. Im Gutachten wird argumentiert, Cloppenburg schaffe neue Arbeitsplätze in Österreich, investiere hier und erziele somit Wertschöpfung. Im Vorjahr beschäftigte P&C in Österreich rund 1000 Mitarbeiter.

Cloppenburg hat eine große Affinität zu Österreich, er hält sich gerne in Wien auf. Das war vermutlich mit ein Grund für den Erwerb der letzten Innerstädtischen Top-Liegenschaft in der Kärntner Straße, Ecke Johannesgasse, wo jetzt das Finanzministeriums logiert, das ab 2007 aber zu einem neuen P&C-Flagshipstore umgebaut wird. Cloppenburg erwarb zunächst 60 Prozent von der Projektgesellschaft, in die der Gebäudekomplex eingebracht wurde, um kolportierte 62 Millionen Euro.

Schätzgutachten

Die Bundesimmobiliengesellschaft musste die Liegenschaft im Frühling um 50 Millionen von der Republik erwerben und hält nun die restlichen 40 Prozent. Zum Vergleich: Ein renommierter Gutachter schätzte die Liegenschaft auf 36 Millionen Euro. Zwei Drittel der P&C- Modehäuser sind im Eigenbesitz. Um von den Vermietern unabhängig zu sein, ist P&C bestrebt, selbst genutzte Immobilie in 1a-Lagen zu kaufen. Beim Standort auf der Wiener Mariahilfer Straße ist das Cloppenburg noch nicht geglückt. Er gehört nach wie vor einer Tochter von Palmers-Immobilien.

Cloppenburg, der zu seinen Terminen in Wien mit der Air Berlin anreist, hat insgesamt 84 Standorte, 69 davon in Deutschland. Von den 15 Standorten außerhalb Deutschlands sind fünf in Österreich (Wien, SCS, Salzburg und zwei in Linz). 2006 kommt einer in Klagenfurt dazu. Sobald P&C auf der Kärntner Straße eröffnet, ist Wien die einzige Stadt mit zwei P&C-Flagshipstores. In den nächsten Jahren sollen weitere Standorte in Innsbruck, Graz sowie zwei bis drei im Wiener Umland errichtet werden. Im Osten ist P&C lediglich in Polen, Tschechien und Slowenien präsent.

Düsseldorf und Hamburg

P&C ist gemessen am Umsatz zwar hinter C&A und H&M nur der Dritte im Branchenranking, dafür einer der profitabelsten. 1901 eröffnet James Cloppenburg in Berlin das erste Bekleidungshaus. Zehn Jahre später entstehen durch die Eröffnung einer Filiale in Hamburg zwei voneinander unabhängige Unternehmen mit den heutigen Zentralen in Hamburg und Düsseldorf. Der Hamburger-Zweig ist bedeutend kleiner und nur in Nord- und Ostdeutschland tätig. Harro und sein Hamburger Pendant James Cloppenburg gehen sich heute aus dem Weg.

Der Cloppenburg, das ist Peek & Cloppenburg Düsseldorf. Harro Uwe Cloppenburg übernahm 1986 nach dem Tod seines Vaters James das Ruder. Mitte der neunziger Jahre begann er mit der Auslandsexpansion. Harro und Gattin Irmelin haben drei Söhne. Einzig dem Kölner Express gelang bei der Eröffnung eines neuen Hauses ein Schnappschuss von Cloppenburg. Doch das Bild musste auf Weisung der Anwälte aus dem Archiv gelöscht werden. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.10.2005)

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