E-Card: Schulnote "Gut" und 86 Prozent Zustimmung

7. November 2005, 11:01
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Hohe Toleranz bei technischen Problemen

Trotz der Kritik in letzter Zeit an der E-Card stößt der Krankenscheinersatz in der Bevölkerung auf große Zustimmung. In einer "Oekonsult"-Umfrage begrüßen es 86 Prozent der Befragten sehr, dass die E-Card nun den Krankenschein ablöst. Bei der Zeugnisverteilung erhielt das Projekt die Gesamtschulnote "Gut". 20 Prozent der Befragten vergaben ein "Sehr gut", 47 Prozent ein "Gut", 24 Prozent ein "Befriedigend", ein "Genügend" nur sieben Prozent, ein "Nicht genügend" nur zwei Prozent.

Vor allem unter Wiener Ärzten hatte es in den letzten Monaten immer wieder Kritik an dem System gegeben. Hinter ärztlichen Vorbehalten vermuten die 1.027 Anfang Oktober Befragten vorwiegend drei Gründe: Beharrung gegen Veränderungen (17,5 Prozent), Sorge um Datensicherheit (18,2) und Widerstand gegen mehr Kontrollierbarkeit (17,4). Eine Computerscheu nehmen 12 Prozent der Umfrageteilnehmer an.

Auch technische Pannen hatten in den vergangen Wochen für Diskussionen gesorgt, die Patienten selbst zeigen aber eine hohe Fehlertoleranz bei Störfällen. So sind 87 Prozent der Befragten der Ansicht, dass man bei einem so komplexen und umfassenden Projekt bis zu einem gewissen Grad auch mit technischen Anlaufschwierigkeiten rechnen muss. Nur drei Prozent orten untolerierbare Ausfälle. "Die Dramatik aus Sicht der Karteninhaber hält sich demnach in Grenzen", erklärte Oekonsult-Chef Joshi Schillhab in einer Aussendung.

Wenn es Probleme mit der Karte gibt, glauben aber nicht alle Patienten, dass es nur an der Karte liegt. So sind 76 Prozent der Befragten der Meinung, dass zahlreiche alteingesessene Ärzte auch eine gewisse Scheu oder Abneigung haben, in ihrem Beruf einen Computer zu benutzen. Patienten erwarten aber von Ärzten, dass sie sich zeitgemäßen Kommunikations- und Informationstechnologien nicht verschließen. Zwar verneinen fast zwei Drittel, sie hätten zu einem Hausarzt, der mit einem Computer nicht umgehen können, kein volles Vertrauen. Andererseits sei dieses andere Drittel, das bei einer computerlosen Praxis eine Vertrauenskrise äußere, "keine vernachlässigbare Größe".

Eine zeitgemäße EDV-Ausstattung gehört nach Meinung der Patienten jedenfalls zu einem absoluten Muss einer Arztpraxis. In einer vorgelegten Liste von Berufsgruppen rangiert der Arzt mit 94 Prozent nur knapp hinter Wirtschaftstreuhändern (99 Prozent) und Steuerberatern (98) bei der "unverzichtbaren Notwendigkeit einer angemessenen und zeitgemäßen Computerausstattung".

"Ich denke, heutzutage ist ein PC selbst in vielen privaten Haushalten keine Besonderheit mehr. Möglicherweise ist die Diskussion um den Nutzen der E-Card auch im Zusammenhang mit der Computer Affinität mancher Ärzte, vor allem der alteingesessenen besonders in Wien, zu sehen. Hier sehe ich massiven Nachhol- und Kommunikationsbedarf", so Schillhab.

Bisher halten knapp sieben Millionen Österreicher ihre E-Card bereits in Händen, über 9.000 der insgesamt 11.700 Vertragsärzte sind an das System angeschlossen. Bis Ende November soll der Roll-out abgeschlossen sein.(APA)

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