Unterschriften für "saubere Kleidung"

3. November 2005, 20:06
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"Clean Clothes"-Kampagne wirft Tchibo/Eduscho unfaire Arbeitsbedingungen bei den Zulieferfirmen in Billiglohnländern vor - Konzern will Verstöße abstellen

Wien - Der Kaffee- und Handelskonzern Tchibo/Eduscho ist in die Kritik von entwicklungspolitischen Initiativen geraten. Sie werfen Tchibo vor, bei seinen Textil-Zulieferern in Billiglohnländern Arbeits- und Menschenrechte zu verletzen.

Die "Clean Clothes-Kampagne" Österreich will nun mit einer Aufklärungs-Aktion erneut auf die Problematik aufmerksam machen. Heute, Freitag, wurden 3.000 Unterschriften "für eine faire neue Welt" bei Tchibo offiziell an einen Vertreter des Unternehmens in Wien übergeben.

Billiglohnländer

"Jede Woche eine neue Welt", verspricht Tchibo seinen Kunden. Für die Näherinnen von Tchibo-Kleidung in Billiglohnländern wie etwa Bangladesch wiederholt sich jedoch jede Woche das gleiche Elend, so Stefan Kerl von Clean Clothes. Arbeitszeiten von 12 bis 14 Stunden pro Tag, 13 Euro Lohn im Monat, unbezahlte Überstunden, kein Arbeitsvertrag und keine Versicherung seien gang und gäbe, hieß es.

Im Rahmen der Clean Clothes-Aktion für faire Arbeitsbedingungen in der Bekleidungs- und Sportartikelproduktion von Tchibo/Eduscho wird Tchibo unter anderem aufgefordert, den Clean Clothes Verhaltenskodex zu übernehmen und die systematische Kontrolle der Einhaltung dieses Kodex durch ein unabhängiges Kontrollsystem unter Beteiligung von Gewerkschaften und NGOs umzusetzen. Weiters sollen mit den Lieferanten "angemessene Lieferzeiten und faire Preisen" verhandelt werden, die es ihnen ermöglichen, die internationalen Arbeitsnormen einzuhalten. Tchibo/Eduscho macht mittlerweile mit seinen wöchentlich wechselnden Gebrauchsartikeln, Textilien und Dienstleistungen mehr Umsatz als mit Kaffee. In Österreich betreibt der Hamburger Konzern mehr als 150 Filialen.

Tchibo/Eduscho: Vorerst keine Aufträge

Tchibo/Eduscho Österreich fordert nun seine Lieferanten auf, zu den Vorwürfen der "Clean Clothes"-Kampagne Stellung zu nehmen und erteilt den betroffenen Produzenten bis zur Klärung der Vorwürfe keine Aufträge, betonte der Geschäftsführer von Tchibo/Eduscho Österreich, Harald Mayer, in einer Reaktion auf die Vorwürfe. "Als kundenorientiertes und verantwortungsbewusstes Handelsunternehmen nehmen wir unsere sozialen Verpflichtungen sehr ernst", hieß es in einer Aussendung. Zudem soll in den kommenden Wochen eine Delegation zu einer Sonderprüfung vor Ort geschickt werden.

Tchibos Ziel sei es, auch in Zukunft gemeinsam mit den Lieferanten und Produzenten sicher zu stellen, dass die Standards des Tchibo-Verhaltenskodex eingehalten werden. Falls Verstöße vorliegen, soll gemeinsam daran gearbeitet werden, diese abzustellen. Deshalb würden regelmäßig Audits in Produktionsstätten über ein unabhängiges und neutrales Auditierungsunternehmen durchgeführt, das überprüfe, ob die Arbeitsverhältnisse vor Ort im Einklang mit dem Verhaltenskodex stehen, geht aus der Aussendung hervor.

Tchibo sehe sich in der Mitverantwortung und werde sich künftig verstärkt für die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen vor Ort engagieren, betonte Mayer anlässlich der Unterschriftenaktion von Clean Clothes.

Bemühen um faire Bedingungen

Viele große Firmen in der Bekleidungs- und Sportbranche lassen in armen Ländern produzieren, vor allem in Asien. H&M wird als Vorreiter bei der Umsetzung fairer Arbeitsbedingungen bei seinen Zulieferbetrieben gesehen. 1997 wurde der schwedische Bekleidungskonzern beschuldigt, durch Aufträge Kinderarbeit auf den Philippinen zu unterstützen. H&M änderte daraufhin sein Sozialkonzept und inspiziert mittlerweile die Textilfabriken.

Mittlerweile achten aber unter anderem auch Adidas, Nike, Puma oder C&A auf die Einhaltung von Sozialstandards bei ihren Produzenten in Fernost und arbeiten mit der Clean Clothes Kampagne zusammen.

NGO-Netzwerk

Die "Clean Clothes" Kampagne ist ein Netzwerk aus mehr als 150 Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) und Gewerkschaften in Europa. Seit knapp 10 Jahren setzt sie sich dafür ein, dass Kleidung nicht nur ökologisch, sondern auch sozial gerecht hergestellt wird. (APA/red)

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Eduscho
  • Produktion für TCM in Bangladesh (Foto: Clean Clothes/Netz Bangladesh e.V.)

    Produktion für TCM in Bangladesh (Foto: Clean Clothes/Netz Bangladesh e.V.)

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