Erster Satellit von Studierenden sendet Signale

2. November 2005, 18:11
posten

Wermutstropfen: Schwierigkeiten mit der Batterie - SSETI Express wurde unter Aufsicht der Esa gebastelt

Dortmund/Darmstadt - Der am Donnerstag ins Weltall gestartete Studentensatellit "SSETI-Express" hat erste Signale aus dem All gesendet. Die Bodenstation der dänischen Universität Aalborg habe die Signale empfangen, teilte die Universität Dortmund am Freitag mit. Auch die japanische Weltraumagentur empfange Signale.

Der erste von Studenten aus ganz Europa entworfene und gebaute Satellit war am Donnerstag vom russischen Kosmodrom Plessezk gestartet. Er hat unter anderem drei Tochtersatelliten an Bord, darunter den deutschen "UWE-1" von der Universität Würzburg.

Schwierigkeiten

Einziger Wermutstropfen des bisher als erfolgreich gewerteten Projekts sind kleinere Schwierigkeiten mit der Batterie. Studenten in Aalborg arbeiteten fieberhaft an der Lösung des Problems, berichtete die Sprecherin des Europäischen Satellitenkontrollzentrums (ESOC), Jocelyne Landeau, am Freitag in Darmstadt. Möglicherweise lasse sich das Problem durch Umprogrammieren von der Erde aus beheben. Sollte keine Lösung möglich sein, könnte das Batterieproblem das Projekt gefährden.

Hintergrund

Der Erfolg des Projekts ist weniger der europäischen Raumfahrtagentur Esa zuzusprechen ist als vielmehr 23 Studententeams aus zwölf europäischen Ländern, darunter auch eines an der TU-Wien. Diese haben die Sonde in Rekordzeit mit den bisher geringsten Investitionen für ein solches Projekt buchstäblich zusammengebastelt: Aus Kostengründen wurden nämlich für den Bau Komponenten verwendet, die man quasi in jedem Laden um die Ecke kaufen kann.

Ein Beispiel: Anstelle des teuren Kaltgastanks, den die Esa normalerweise für solche Missionen verwendet, wurde ein Hersteller für Feuerwehrtanks gebeten, kostenlos Material zur Verfügung zu stellen. Was dieser auch tat, schließlich kann er ab sofort seine Produkte als "weltraumgeprüft" vermarkten. Gesamtaufwand für die Hardware des studentischen SSETI Express: weniger als 100.000 Euro.

Teams

Das Projekt geht auf die SSETI-Initiative des Esa-Büros für Bildungsmaßnahmen zurück, mit der die Teilnahme von Studenten an konkreten Weltraummissionen gefördert, die wissenschaftlich-theoretische Ausbildung um praktische Erfahrungen ergänzt werden soll. Mehr als 200 Studierende beteiligten sich daran. Sie schlossen sich zu Teams zusammen, vernetzten sich und teilten sich die Aufgaben zum Bau der einzelnen Komponenten des Satelliten. Die Kommunikation zwischen den Gruppen erfolgte über das Internet. Die Esa unterstützte die Studenten, indem sie Spezifikationen festlegte, Arbeiten koordinierte, Bau und Tests überwachte und nun den Start organisierte.

"SSETI" steht für "Student Space Exploration & Technology Initiative", und "Express" heißt der in Gestalt und Größe einer Waschmaschine ähnliche Satellit deshalb, weil er in nur 18 Monaten zusammengeschraubt wurde. Der Satellit fungiert als wissenschaftlicher Prüfstand für neue (leichte und günstige) Bauformen, soll Bilder von der Erde schießen und als Funk-Transponder dienen. (APA/dpa/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    SSETI Express, der erste studentische Satellit im All.

Share if you care.