Ehre für Pasching, Freude bei Rapid

14. Dezember 2005, 12:36
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Es ist fix: Georg Zell­hofer wird ab Jänner Nachfolger von Josef Hickersberger als Trainer in Hütteldorf

Wien - Josef Hickersberger ist mit der Lösung absolut einverstanden. Wäre es anders gekommen, hätte er es natürlich auch akzeptiert (abgesehen davon ginge es ihn ja gar nichts an), schließlich war es sein freier Wille, Rapid zu verlassen und ab 1. Jänner 2006 Teamchef zu werden. An diesem Tag tritt nun Georg Zellhofer die Nachfolge in Hütteldorf an. Und er soll dort zumindest bis Juni 2008 arbeiten. Sportdirektor Peter Schöttel gab Freitagmittag die Einigung bekannt. Die Präsidenten Rudolf Edlinger und Franz Grad hatten die letzten Details geklärt, Grad stimmte einer Vertragsauflösung zu, Zellhofer war ja bis Sommer 2007 an Pasching gebunden.

Zuvor sprach Schöttel noch persönlich mit dem Trainer, da mussten aber keine Steinchen mehr aus dem Weg geräumt werden. Grad reagierte mit der Tapferkeit eines Paschingers, der sich ohne Eile um eine Alternative umschaut, schließlich macht der Scheidende die Herbstsaison fertig. "Welcher Verein kann schon behaupten, dass er nach zehn Jahren seinen Trainer an die beste Adresse verloren hat. Mich persönlich erfüllt das mit Ehre. Natürlich tut es weh, aber ich jammere nicht, ich gratuliere Rapid."

Die drei anderen Kandidaten, Walter Schachner, Peter Pacult und Heribert Weber, schauten also durch die Finger, Schachner bleibt wenigstens der GAK. Schöttel legte darauf Wert, "dass alle vier der Aufgabe gewachsen gewesen wären." Seit Tagen hat das theoretische Pendel aber praktisch Richtung Zellhofer ausgeschlagen. "Das Gesamtpaket passt. Er ist in einem guten Alter, hat Erfolge. Er ist ein hungriger Profi, der mit Menschen umgehen kann. Er ist bereit, mit uns den begonnenen Weg, den Einbau der Jugend, fortzusetzen."

Schöttel ist davon überzeugt "dass es für Zellhofer der ideale Zeitpunkt für diesen großen Schritt ist". Da man über Geld sogar im Fußball kaum sprechen soll, sagte der Sportdirektor: "Er hat bei Pasching gut verdient, er wird bei uns gut verdienen." Zellhofer ist übrigens mit Hickersberger befreundet. "Kein Nachteil, das erleichtert die reibungslose Übergabe. Aber er ist keine Kopie von Hicke."

Rapids Kicker reagierten durchaus positiv, Kapitän Steffen Hofmann nahm die Botschaft so auf: "Zellhofer hat gezeigt, dass er viele Qualitäten besitzt. Natürlich ist es für ihn schwierig, in die großen Fußstapfen von Herrn Hickersberger zu treten. Wir wollen ihm dabei helfen. Ausschlaggebend ist einzig und allein der Erfolg." Andreas Ivanschitz freut sich "auf die Zusammenarbeit".

Zellhofer ("ich bin kein Marktschreier") hatte Anfang Oktober im STANDARD darüber philosophiert, "dass es für mich ein Leben nach Pasching geben muss. Es ist zwar schön hier, aber irgendwann will ich raus aus dem Niemandsland." Der Niederösterreicher aus Waidhofen/Ybbs wollte geduldig darauf warten, "dass etwas Gravierendes passiert". Zellhofer ("ich hinterlasse in Pasching keine verbrannte Erde") sehnte sich nach "einer gewissen Größe und Tradition". Beides hat er am 28. Oktober 2005 bekommen. "Rapid ist eine Topadresse." (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 29. Oktober 2005)

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    Georg Zellhofer wird künftig den Rekordmeister betreuen.

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    Rapid-Trainer seit 1989.

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